Die symphonischen und Chor-Werke Sergej Rachmaninoffs werden außerhalb Russlands kaum gespielt. Da füllt eine neue Box mit 5 CDs, die sie fast vollständig enthält, eine Lücke, findet Thomas Rothschild.

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Der Effekthascher

Von Thomas Rothschild

Sergej Rachmaninoff ist in erster Linie für seine Klavierkompositonen bekannt. Selbst ein hervorragender Pianist, hat er Stücke geschrieben, in denen der Solist seine Virtuosität unter Beweis stellen kann. Die symphonischen und Chor-Werke Rachmaninoffs hingegen werden außerhalb Russlands kaum gespielt. Da füllt eine Box mit 5 CDs, die sie fast vollständig enthält, eine Lücke. Naxos hat das russische Label Melodija in seinen Vertrieb aufgenommen, und so kommen die zwischen 1966 und 1989, größtenteils mit dem Staatlichen Akademischen Symphonieorchester der UdSSR unter Jewgeni Swetlanow, eingespielten Aufnahmen auf den deutschen Markt.
         Rachmaninoff fällt aus dem Rahmen der zu seinen Lebzeiten aktuellen Musikrichtungen. 1873 geboren und 1943 gestorben, war er ein Zeitgenosse von Arnold Schönberg und nur etwas älter als Igor Strawinsky. Seine Orchester- und Chorkompositionen wirken konservativ und, in ihren Brüchen und Verwerfungen, modern zugleich. Sie zeichnen sich, wie die Klavierwerke, durch einen untrüglichen Sinn für Effekte aus und weisen auf die Filmmusik Hollywoods voraus. Rachmaninoff steht aber auch noch in der Tradition des Nationalismus, der im 19. Jahrhundert, nicht nur in Russland, den Reichtum der Folklore entdeckte. Davon zeugen insbesondere seine „Symphonischen Tänze für Orchester“, aber auch sein „Capriccio Bohémien“, das zwar im russischen Original „Capriccio über Zigeunerthemen“ heißt, dessen Titel man aus dem Französischen aber ebenso als „Böhmisches Capriccio“ übersetzen könnte: Dvořáks „Slawische Tänze“ sind da nicht weit entfernt.
         Drei Symphonien hat Rachmaninoff zwischen 1895 und 1935 geschrieben. Ein großer Teil seiner übrigen Kompositionen für Orchester hat den Charakter von Programmmusik und folgt literarischen oder gemalten Vorlagen – etwa Edgar Allan Poes Gedicht „The Bells“ oder Arnold Böcklins „Toteninsel“.
         Die Aufnahmen wurden remastered und klingen, trotz der Jahre, die sie auf den Schultern haben, erstaunlich frisch.

Kommentare


Hagen Kreuz - ( 03-03-2014 04:33:16 )
Sieg heil

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erstellt am 14.12.2013

Sergej Rachmaninoff (1873-1943)

Sergej Rachmaninoff
Works for Orchestra and Choir
Melodija MEL CD 10 02090 (5 CD)

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