14 Professoren kritisieren EKD

„Begrüßt Gott den Pluralismus?“

Vierzehn christliche und jüdische Wissenschaftler haben in der vom Interkulturellen Rat in Deutschland herausgegeben Publikation „Evangelisch aus fundamentalem Grund“ erhebliche Kritik an EKD-Positionen zum Islam geäußert. Professoren wie Micha Brumlik (Frankfurt), Reinhold Bernhardt (Basel) und Karl-Josef Kuschel (Tübingen) zählen zu den Autoren einer Essaysammlung, die zu der im November 2006 erschienenen EKD-Handreichung „Klarheit und gute Nachbarschaft, Christen und Muslime in Deutschland“ jetzt Stellung bezieht.

Der Handreichung werde, so Jürgen Micksch, Vorsitzender des Interkulturellen Rates und Herausgeber der Textsammlung, vorgeworfen, dass sie sowohl auf der Seite der Christen als auch unter den Muslimen die fundamentalistischen Positionen fördere. Im Unterschied zu früheren EKD-Schriften habe sich der Ton verschärft und sei zu einer Belastung für den zukünftigen Dialog geworden. In seinem unter dem Titel „Toleranter Alleinvertretungsanspruch: Verlogene Demut, verhohlener Triumphalismus“ verfassten Beitrag kritisiert der Erziehungswissenschaftler und ehemalige Leiter des Fritz-Bauer-Instituts Micha Brumlik den in der Handreichung erkennbar werdenden missionarischen Ton, der andere Religionen als bloß von Gott geduldet einstufe. Brumlik wertete die Handreichung während der Vorstellung des Buches in Frankfurt als „zivilisatorischen Rückfall“, indem sie einen Pluralismus der Religionen nicht anerkenne.

Auch der katholische Theologe Karl-Josef Kuschel, der die EKD-Schrift auf ihre theologischen Aussagen hin analysiert, stellt „erschreckende Defizite“ und „eine Asymmetrie“ fest. Nur sieben Seiten seien der Klärung theologischer Fragen gewidmet, 100 Seiten hingegen behandelten Fragen des praktischen Zusammenlebens. Wer Hinweise erwarte, wie Christen auf der Basis ihres Glaubens muslimischen und anderen Glaubensgemeinschaften begegnen könnten, werde enttäuscht.

Der Schweizer Theologe Reinhold Bernhardt, der in Basel den Lehrstuhl für systematische Theologie und Dogmatik inne hat, kritisiert den „apodiktischen Ton“ der Handreichung. So werde erklärt, dass das interreligiöse Gebet aus theologischen Gründen nicht in Betracht käme. Die Gründe selbst würden jedoch nicht genannt. Das einzige Argument, das angeführt werde, sei: jeder Anschein der Religionsvermischung solle vermieden werden.

erstellt am 19.11.2010