Der Islam als Medienthema

„Und schon ist die Moschee im Bild …“

Medienberichte tragen – oft ungewollt – zu negativen Vorurteilen über die islamische Religion bei. Eine Analyse des Erlanger Instituts für Medienverantwortung, vorgestellt von Leiterin Dr. Sabine Schiffer, zeigt anschaulich, wie Berichte über Gewalttaten, die sich in islamisch geprägten Regionen ereignet haben, häufig ohne ursächlichen Zusammenhang mit religiösen Bildmotiven verknüpft werden. Im Entführungsfall von Susanne Osthoff überschrieb beispielsweise der Spiegel seinen Bericht „Geiselhaft im Namen des Allahs“ und illustrierte ihn mit dem Bild einer Moschee. Auch ein Bericht des „Stern“ über die Politik des iranischen Präsidenten ist charakteristisch für diesen Stil, Religion und Politik in einen Zusammenhang zu stellen: auf der Titelseite wurde der Politiker Mahmud Ahmadinedschad in einer Bildcollage zusammen mit einer Atombombe und einer Moschee gezeigt.

Die Serie der Beispiele, die Dr. Sabine Schiffer an einem Diskussionsabend in der Evangelischen Friedenskirche im Gallus zum Thema: „Und schon ist die Moschee im Bild…. Der Islam als Medienthema“ aufzählte, ließe sich erheblich verlängern. Unbeirrt untersuchte die Erlanger Linguistin an diesem im Rahmen der Christlich-Islamischen Woche stattfindenden Abend zahlreiche nationale Vorzeige-Medien, vom „Spiegel“ über das Fernsehen bis hin zur Wochenzeitung „Die Zeit“. Mit geübtem Blick offenbarte die Wissenschaftlerin Klischees und stereotype Medienbilder, die selbst wenn sie noch so wohl meinend eingesetzt waren, kontraproduktive Nebeneffekte erzeugen und die Neutralität der Symbole gefährden, die die islamische Religion repräsentieren.

Ihre Diskussionspartner auf dem Podium, Canan Topçu (FR), Ismail Kul (türkische Tageszeitung Zaman), Murad Bayraktar (WDR) und Moderator Ilyas Mec (HR) gerieten an diesem Abend immer wieder selbst in diese Gefahrenzone. Und auch dieser Beitrag läuft Gefahr kontraproduktiv zu wirken, indem er einleitend die negativen Verknüpfungen wiederholt. Denn, so Sabine Schiffer: auch Verneinung erinnert! Eine Falle, der nur schwer zu entkommen ist.

Unbestritten ist jedoch auch: Häufig genug gibt es brisante Ereignisse, die mit islamisch geprägten Weltregionen in Verbindung stehen. „Der Bote“, so der Einwand von Ilyas Mec, „kann nicht für die schlechte Nachricht verantwortlich gemacht werden.“ So gebe es eine Flut an außenpolitischen Nachrichten, die auf den Titelseiten prominent platziert seien und das Islam-Bild dieser Gesellschaft prägen.

Der Journalist sei, so Sabine Schiffer, jedoch nicht nur Chronist, sondern auch Aufklärer. Er solle Informationen nicht zurückhalten, müsse sie jedoch mit Umsicht aufbereiten, um irreführende Sinninduktionen zu vermeiden: „Der ausgewählte Aspekt, über den berichtet wird, darf nicht zu eng gefasst sein, damit realistische Einordnungen möglich sind“, fordert die Medienkritikerin. Ohne Reflexion über Zusammenhänge und Hintergründe drängen sich, so Sabine Schiffer, monokausale Erklärungsmuster auf, die sich allmählich tief in das gesellschaftliche Gedächtnis einbrennen.

Sinninduktion findet auch in der innenpolitischen Berichterstattung statt. Sie führe dazu, dass die islamische Gesellschaftsgruppe als Problemträger markiert werde:
„Heute diskutieren wird nicht mehr über eine „Moschee“ sondern über einen „Stützpunkt“ in Deutschland“, erzählt WDR-Journalist Murad Bayraktar, der in Köln die Diskussion über den Bau einer Moschee beobachtet.

Auch in der Debatte um das Zuwanderungsgesetz im März 2002 hat Sabine Schiffer die Mittel analysiert, die die islamische Bevölkerung klischeehaft in stereotype Zusammenhänge stellt: „Meist wird zur Darstellung des Fremden visuell gut darstellbar eine Frau mit Kopftuch gewählt, dadurch entsteht die Assoziation, „die”, also alle Kopftuch tragenden Frauen, haben das Problem mit der Integration“ erklärt die Wissenschaftlerin. Systematisch werde so die islamische Bevölkerung „markiert“ und mit ihr anstatt Normalität nur Negativität verbunden. Diese Schieflage sei in den Medien bereits seit mehreren Jahrzehnten feststellbar.

Juni 2007
Andrea Pollmeier

erstellt am 19.11.2010