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Bis heute streitet man sich um die Zauberoper von Herrn Schikaneder, die Herr Wolfgang Mozart mokant in Musik setzte. Vor mehr als zehn Jahren inszenierte Axel Manthey die populäre »Zauberflöte« im Ludwigsburger Schlosstheater, und jetzt ist davon eine DVD erschienen, die Thomas Rothschild kommentiert.

dvd-kritik

Naive Ästhetik

Von Thomas Rothschild

Für Bühnenbildner, die sich der Regie zuwenden, ist „Die Zauberflöte“ besonders reizvoll. Der Märchenstoff lässt viel Raum für die Fantasie, die sich im Bühnenbild, in den Kostümen und in der Choreographie visuell materialisiert. Achim Freyer hat die „Zauberflöte“ gleich vier Mal inszeniert, jedes Mal anders und in ganz unterschiedlichen Formaten, 2002 auf der kleinen Bühne des Schwetzinger Schlosses.

Zehn Jahre vor seiner Schwetzinger „Zauberflöte“, 1992, hat Axel Manthey Mozarts populärste Oper, ebenfalls auf einer kleinen Bühne, für die Ludwigsburger Schlossfestspiele inszeniert. Manthey kommt wie Freyer vom Bühnenbild – und übrigens aus der DDR – und wurde gelegentlich mit Freyer verglichen. Von der Schildmütze sind bei seinem Papageno nur ein langer zugespitzter knallroter Schnabel auf der Stirn und ein Hahnenkamm am Scheitel geblieben. Sie werden ergänzt durch einen Federschwanz am Hintern. Im Übrigen aber ist der Vogelfänger gekleidet wie ein deutscher Tourist auf Mallorca, mit weißen Socken in Halbschuhen, einer kurzen weißen Hose, Hosenträgern über einer ärmellosen weißen Weste und ein paar knallbunten Flicken, die an das einstige Federkleid erinnern sollen. Das um den Bauch baumelnde Glockenspiel erinnert an eine Fotokamera. Dass Papageno eine Kunstfigur ist, macht das gelb umrahmte linke Auge deutlich.

Ein Problem für jede „Zauberflöten“-Inszenierung ist die Darstellung des Monostatos. Einem moralisierenden Blick entgeht der subtile Rassismus gegenüber dieser Figur ebenso wenig wie die frauenfeindlichen Stellen im Libretto. Als Manthey die Oper auf die Bühne brachte, gab es noch keine Blackfacing-Debatte mit all ihren Abgründen. Manthey stellt sich naiv, und seine ganze Inszenierung lebt, auch grafisch, vom Reiz der Naivität. Papagenos Gegenspieler, ganz schwarz und in einem weiten Überhang aus Leopardenfell, entspricht dem Klischee vom mehr oder weniger edlen Wilden. Er unterscheidet sich im Aussehen nicht von seinen Untergebenen und Gehilfen. Mit anderen Worten: er ist Sklave unter Sklaven.

Manthey verzichtet bei der Begegnung der Antagonisten auf Symmetrie. Die Blickrichtung von Papageno und Monostatos bei der Vermutung „Das ist – der Teufel sicherlich“ wechselt zwar synchron zur Musik zwischen dem Gegenüber und dem Publikum. Während Monostatos aber entschiedener zu fliehen versucht, droht Papageno ihm mit einer geöffneten Schere, gegen die Monostatos lediglich abwehrend oder beschwörend seine Hände erhebt. Ein Detail, das jedoch die Interpretation nahe legt, dass hier, bei aller wechselseitigen Furcht, der Weiße den Schwarzen einschüchtern will, dass er ihn mit Gewalt bedroht.

Dem Rhythmus und dem Gestus der Musik folgt Manthey immer wieder. So lässt er die drei Damen oder auch Sarastros Priester gerne fast tänzerisch über die Bühne schreiten. Zwar sehen die Damen aus wie aus der Werbung der dreißiger Jahre, aber das hat bei Manthey eher dekorative als deutende Funktion.

Im Deutschen ist für die Unterteilung der Akte anstelle des Begriffs „Szene“ auch „Bild“ geläufig. Manthey nimmt diese Bezeichnung beim Wort. Er inszeniert weniger Abläufe, als Bilder, Arrangements, die durch Blackouts von einander getrennt werden. Das erlaubt auch ein frontales Singen, das durchaus nicht altmodisch wirken muss.

Nun hat Arthaus Musik die Aufzeichnung dieser Inszenierung, die schon einmal auf DVD erschienen war, in einer neuen Verpackung wieder zugänglich gemacht. Musikalisch gibt es bessere Aufnahmen. Aber Mantheys Inszenierung hat nichts von ihrem Charme verloren. Und die beengte Bühne des barocken Ludwigsburger Schlosstheaters kommt der filmischen Aufzeichnung entgegen, die in der Totalen den Raum mühelos zu erfassen vermag.

Kommentare


Ingrid Jedlitschka - ( 30-10-2014 01:23:00 )
Die Kostüme sind fürchterlich bis lächerlich! Einfach grauenvoll.
Schade um die schöne Oper!
Ich wäre sicher nicht bis zum Schluss geblieben!

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erstellt am 04.11.2013

Wolfgang Amadeus Mozart
Die Zauberflöte
Ludwigsburger Schlosstheater, 1992
DVD
Arthaus Musik 102 320

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