Wie verhalten sich Menschen unter permanenter Lebensbedrohung? Wie entwickeln sich zwischenmenschliche Beziehungen in einer Kriegssituation? Wie viel Zeit für Trauer hat der Mensch, wenn das Sterben alltäglich ist und man selbst nicht sicher ist, ob man noch lebt? An diese Fragen tastet sich der in Damaskus lebende syrische Schriftsteller Omar Kaddour heran, indem er ein Leben im Ausnahmezustand beschreibt.

aktueller originaltext

Leben mit dem Zufall

Von Omar Kaddour

Am Tag nach dem Giftgaseinsatz in der Ghouta bei Damaskus am 21. August 2013 erzählte meine Frau, als sie nach Hause kam, eine Granate sei ganz in der Nähe des Autos niedergegangen, in dem sie gesessen habe. Der Wagen sei so stark in Erschütterung geraten, dass die Scheiben zerbrachen. Aber wir hielten uns nicht lange mit dem Thema auf, sondern verfolgten weiter die Nachrichten über die Opfer des Chemiewaffeneinsatzes.

Tatsächlich war dieses Erlebnis meiner Frau nicht das erste seiner Art. Auch zwei Wochen vorher war eine Granate niedergegangen – beziehungsweise ein mit Sprengstoff beladenes Auto war explodiert, wie die Regierung es darstellte – und dies kurz bevor wir genau an jenem Ort eintrafen. Es war reiner Zufall, dass wir nicht unter den mehr als dreißig Toten waren. Der Vorfall mahnte uns allerdings nicht zur Vorsicht, so dass wir nach Hause zurückgekehrt wären, und genauso wenig empfanden wir Freude darüber, noch am Leben zu sein. Nein, so aufgewühlt wie beim ersten Mal, als eine Granate in unserer Nähe explodiert war, waren wir mitnichten.

Drei Tage nach dem Chemiewaffenmassaker beobachteten wir, wie drei Schergen des Regimes mitten auf der Straßen einen jungen Mann brutal anhielten. Sie zogen ihm sein T-Shirt so über den Kopf, dass sein Gesicht darunter verschwand, fesselten ihn an den Handgelenken, stießen ihn in den kleinen Kofferraum ihres Autos und klappten den Deckel zu. Uns war bewusst, dass diese brutale Art der Verhaftung nichts war im Vergleich zu dem, was ihn erwartete, denn täglich erreichen uns Berichte über Folterungen in den Gefängnisses. Die Anzahl der Inhaftierten, die unter Folter starben, steigt seit Beginn der Revolution täglich an, und auch wenn es keine genauen Zahlen gibt, kann man sicher von über dreitausend Opfern ausgehen. Als wir unseren Weg fortsetzten, liefen meiner Frau angesichts der Brutalität die Tränen über die Wangen, und ich versuchte zur Ablenkung meine Aufmerksamkeit auf etwas anderes zu lenken, während ich gleichzeitig nicht umhin konnte, mich in die Lage dieses jungen Mannes zu versetzen und mir vorzustellen, wie es wohl sei, verhaftet und gefoltert zu werden.

Zu Hause sprechen wir kaum über diese schrecklichen Ereignisse, sondern ignorieren sie so weit es geht. Wir haben eine stillschweigende Übereinkunft getroffen, uns nicht über die grauenhaften Vorkommnisse auszutauschen, deren Zeuge ein jeder von uns wird. Andererseits wissen wir natürlich beide, was seit etwa zweieinhalb Jahren alles Fürchterliches passiert. Doch wir verspüren kein Bedürfnis, über diese Dinge im Detail zu sprechen. Mitunter ist das Schweigen ein Versuch, die Gefühle des anderen nicht zu verletzen, der sowieso Bescheid weiß. Andererseits verbindet sich mit dem Schweigen manchmal insgeheim die Hoffnung, dass das, was wir wissen, vielleicht doch in Zweifel gezogen werden könnte, dass dieser Zweifel sich jedoch in Luft auflöste, wenn wir das Geschehene in Sprache fassten und dadurch Gewissheit entstehen würde.

In jener Nacht, in der die Ghouta mit Giftgas bombardiert wurde, war die ganze Zeit über das Dröhnen der Granaten und Raketen zu hören. Wir sind es mittlerweile gewohnt, bei diesem Lärm zu schlafen, und folglich erfuhren viele von uns erst am nächsten Morgen, was geschehen war. Schrecklicher indes empfanden wir den Lärm des ununterbrochenen Bombardements mit traditionellen Waffen, den wir in den folgenden Tagen vernahmen. Denn dies bedeutete, dass das Regime alles daran setzte, zu verhindern, dass den Verletzten geholfen wurde und dass es die größtmögliche Anzahl von Zivilisten töten wollte. Angesichts dieses Krachs stellte sich ein unbeschreibliches Gefühl der Hilflosigkeit ein, und jeder Granateinschlag ließ uns erzittern. Wir waren so verzweifelt über die Menschheit, dass wir sie noch nicht einmal mehr für ihre Untätigkeit tadeln konnten.

Wenn wir uns die hohe Anzahl von Opfern ins Gedächtnis rufen – die Zahl hat vor Monaten die hunderttausend überstiegen und die internationalen Organisationen haben aufgehört, sie weiter zu erhöhen …- wenn wir uns diese hohe Opferzahl vor Augen führen, dann haben wir nicht das Gefühl, dem Tod entkommen zu sein. Das hat nichts damit zu tun, dass das Schreckgespenst des Todes weiter über uns schwebt, solange das Regime existiert, sondern damit, dass das Gefühl, entkommen zu sein, egoistisch ist, solange täglich Dutzende Zivilisten infolge der willkürlichen Bombardierungen sterben. Vielleicht ist ja sogar einer von uns beiden in Wahrheit bei einem der Angriffe ums Leben gekommen und hat es gar nicht bemerkt!

Vielleicht aber können wir uns sogar etwas noch Grausameres vorstellen als den Tod! Etwa wenn einer unserer geliebten Angehörigen getötet wird. Sich das auszumalen ist wie eine brutale, aber notwendige Übung, nachdem wir uns schon viele Male in der Vorstellung der Möglichkeit unseres eigenes Todes geübt haben. Die psychische Bereitschaft, eine solche Option zu akzeptieren, scheint schon allein deshalb notwendig, damit wir nicht unsere ganze Zeit in Schreckstarre verbringen. Wir wissen übrigens auch, dass unsere Geliebten den gleichen mentalen Sport betreiben und dass auch sie danach besser darauf vorbereitet sind, die Nachricht von unserem Tod aufzunehmen. Dies hätte zu anderen Zeiten sicher das herkömmliche Gefühl von Liebe zerstört, jetzt aber ist es zu einer gegenseitigen Bekundung tiefsitzender Gefühle geworden, die gleichfalls nur sehr schwer zu erklären sind.

Tatsächlich wird der Kreis der geliebten Menschen kleiner. Vor ein paar Tagen versuchte ich mich an einen Verwandten zu erinnern, der kürzlich an Krebs gestorben ist. Es gelang mir nicht, obwohl ich ihn wirklich sehr gemocht hatte. Wäre er in einer anderen Zeit gestorben, hätte ich sehr über seinen Tod getrauert, doch durch die massenhaften Todesmeldungen rücken manche Menschen rasch in den Hintergrund, so dass man sie nur allzu bald vergisst. Den Überlebenden fehlt ausreichend Zeit für die Trauer, denn jeder neue Todesfall heute vertreibt die Trauer von gestern. Vielleicht verschwindet die Trauer mitunter sogar zeitweise, damit sie nicht unser ganzes Leben beherrscht. Vielleicht aber trauern wir auch, ohne es zu wissen, und zu Zeiten, in denen wir es nicht erwarten. Als der junge Aktivist Ghiath Matar getötet und ihm von den Geheimdienstlern die Kehle herausgerissen worden war, habe ich lange geweint. Obwohl ich diesen jungen Mann nicht persönlich gekannt hatte, brach ich in Tränen aus, und erst da wurde mir klar, dass der eigentliche Grund meiner tiefen Trauer die Ermordung meines Freundes Maschal Temmo gewesen war. Er war bereits einige Zeit vor Ghiath Matar getötet worden, doch damals hatte ich nicht weinen können.

In den ersten Monaten der Revolution gerieten wir viel leichter aus der Fassung. Die Ermordung einiger weniger Demonstranten genügte, um uns in eine tiefe Depression zu versetzen. Wir konnten nicht glauben, dass das wirklich mit uns passierte. Wir konnten nicht glauben, dass die ganze Welt mit einer derartig verachtenden Gleichgültigkeit den Blick abwandte von unserem Sterben. Später veränderte sich unser Denken. Die Welt nahm in unseren Hoffnungen kaum noch einen Platz ein. Stattdessen machte sich der Tod breit. Und uns blieb nur noch ein Funken Hoffnung, nämlich zu sehen, wie sich der Traum verwirklichte, die Hoffnung, dass noch Menschen übrig blieben, die die Freiheit genießen würden, von der wir träumten. Viele Freunde haben uns verlassen, die es so sehr verdient hätten, die Diktatur stürzen zu sehen. Ihr Tod war deshalb besonders schmerzhaft, weil sie nach dem Sturz der Diktatur so gerne noch ein wenig gelebt hätten – und sei es auch nur für ein paar Minuten.

Einige von ihnen starben ob der schrecklichen Erlebnisse vor Kummer, ihre Nerven hielten den Anblick des Grauens nicht aus. Vielleicht waren sie einfach sensibler als wir anderen.

Nachdem die Aktivistin Razan Zeitouneh die Ghouta nach dem Chemiewaffenangriff besucht hatte, stellte sie sich vor, wie die Mütter ihre Kinder in Zukunft vor dem Schlafengehen mahnen würden: »Putz dir die Zähne und geh ins Bett, mein Kind, denn es ist spät. Und trink nicht zu viel Wasser vor dem Schlafen! Wenn du das Dröhnen des Flugzeugs hörst, lauf rasch in den Keller! Und wenn du einen ungewöhnlichen Geruch wahrnimmst, dann steig aufs Dach! Wenn du aber keine Zeit hast, irgendetwas zu tun, dann denke daran, dass ich dich sehr liebhabe. Wir können nichts tun, die Welt ist schmutzig und grausam. Das wirst du eines Tages verstehen, wenn du groß bist …, wenn du groß werden wirst!«

Familien, die keine Kinder haben, können sich glücklich schätzen in diesen Zeiten. Ihnen bleiben viele unangenehme Fragen erspart. Wie soll man einem Kind erklären, dass ein Präsident in einer Rede seinem Volk noch mehr Tod und Vernichtung verspricht. Wie soll man sie vor der Angst schützen und oder sie mit ihrer Angst allein lassen? Durch die Kinder wird die Katastrophe greifbarer.

Ein sechsjähriges Mädchen, das vom Spielen mit den Nachbarskindern heimkam, erzählte uns, drei seiner Spielkameraden hätten ihre gesamte Familie verloren. Während die Kleine sprach, wurden ihre Augen immer dunkler und ihr Blick tiefgründiger. Plötzlich hörte sie auf zu reden. Wir wissen nicht, was in jenem Augenblick in ihrem Kopf vor sich ging. Vielleicht hatte sie Mitleid mit uns und wollte uns deshalb nicht weiter von ihren Freunden erzählen … Wir schwiegen. Wir hatten nicht die Kraft, sie aufzufordern, ihre Geschichte zu Ende zu erzählen.

Nach zweieinhalb Jahren des täglichen Tötens müssten wir uns eigentlich verändert haben. Aber wir können das nicht mit Gewissheit behaupten. Meist versuchen wir sogar, uns das Gegenteil zu beweisen. Die Unterdrückung schränkt unser Leben ein, doch gleichzeitig genießen wir das Gefühl der Freiheit, das wir vor der Revolution nicht gekannt hatten. Wir spotten viel über die Grausamkeit des Tyrannen und seiner nutzlosen Methoden, die Revolution zu unterdrücken. Und wir machen uns lustig über die offensichtlichen Lügen in den Medien des Regimes. Doch wir verspüren auch Bitterkeit, wenn wir beobachten, wie internationale Medien diese Lügenmärchen weiterverbreiten. Wir verfolgen die Nachrichten über uns und sind verärgert, wenn die Meldungen über das Sterben in Syrien in den Hintergrund rücken. Manchmal empfinden wir auch Langeweile und sind der Nachrichten überdrüssig. Dann ziehen wir uns ein wenig zurück, von den Nachrichten wie von den sozialen Netzwerken, die die gleichen Meldungen verbreiten.

Die Freunde im Ausland haben Angst um uns. Weil ihre Angst meist übertrieben ist, beruhigen wir sie! Das mag absonderlich erscheinen, doch wenn sie uns manchmal voller Sorge anrufen, nachdem sie eine beunruhigende Meldung gehört haben, begegnen wir ihrer Angst mit stoischer Kühle. Wir sagen ihnen, dass alles nicht so schlimm sei, wie sie es sich vorstellten. Und wir versprechen ihnen, dass es uns auch weiterhin gut gehen werde. Wir sagen das mit einer Selbstsicherheit, für die wir keinen Grund kennen. Aber sie glauben uns und nehmen die Nachrichten in Zukunft weniger sorgenvoll auf.

Wir sind nicht hochmütig und wir sind nicht so stark, dass wir uns ganz einfach an all das gewöhnen könnten. Die Sache ist wahrscheinlicher viel banaler: Wir haben gar keine Zeit für einen Luxus wie Hochmut oder Stärke. Es ist schlicht so, dass das Leben mit seiner ihm innewohnenden Kraft weitergeht, und wenn es so etwas geben sollte wie einen »Geist der Herausforderung«, dann ist er sicher nicht beabsichtigt, und niemandem ist es wichtig, ihn unter Beweis zu stellen.

Womöglich handelt es sich um Mutmaßungen, wenn wir über das Leben sprechen, denn es ist ganz sicher nicht das Leben, das andere Menschen in anderen Regionen der Welt kennen.

Vielleicht befinden wir uns auch ständig in einem Zweifel zwischen Leben und Tod. Vielleicht geht es uns nicht anders, als diesem kleinen, durch Giftgas verletzten Mädchen aus der Ghouta, das man in einem Youtube-Video ununterbrochen hysterisch schreien sah: »Lebe ich noch? Bin ich noch am Leben?«. Der behandelnde Arzt beruhigte das Kind und versicherte ihm, nicht gestorben zu sein.

Womöglich brauchen wir alle wie dieses kleine Mädchen andere Menschen, die nicht das durchgemacht haben, was wir durchmachen, und die uns sagen, dass wir noch am Leben sind – am Leben im herkömmlichen Sinn.

Aus dem Arabischen von Larissa Bender

Der Roman »Raue Kanten« wirft anhand von zwei Generationen ein Licht auf die Intellektuellen innerhalb der syrischen Gesellschaft. Es geht um eine fiktive Liebesgeschichte zwischen einem Schriftsteller und der Tochter eines Intellektuellen, der diese Beziehung aus verschiedenen Vorwänden ablehnt. Es bleibt jedoch offen, ob diese Liebe tatsächlich existiert oder ob die Protagonistin sie sich nur einbildet. Der Roman versucht die Widersprüche der kulturellen und politischen Realitäten in Syrien Ende des letzten Jahrhunderts aufzuzeigen.

Omar Kaddour

Auszug aus dem Roman »Raue Kanten«

Ich hätte mir einen anderen Abschied gewünscht, einen liebevolleren Abschied, als Krönung dessen, was gewesen war. Sie aber tat, als sei sie mit den Reisevorbereitungen beschäftigt, überlastet von den vielen Pflichten. Auf mein Drängen hin muss sie sich rechtfertigen:

„Ich mag keine Abschiede. Wenn ich einmal angefangen habe zu weinen, höre ich nicht mehr auf.”

Ich verzeihe ihr, wenngleich ich der Überzeugung bin, dass die Zurückgelassenen mehr Grund zum Weinen haben. Ich hatte das in meinem ersten Roman geschrieben. Als Fatin gesagt hatte: “Du verlierst mich, aber ich, ich verliere alles”, hatte er geantwortet: “Es ist leichter, alles zu verlieren. Wenn der Geliebte fortgeht, bleibt alles zurück, was uns an ihn erinnert.”

Mit Sausan gab es keine Gelegenheit für ein solches Gespräch, sie war mit anderen Fragen beschäftigt:

„Weißt du, was es heißt, stumm zu sein?”

„Das wissen alle.”

„Ich sage dir was: Du denkst an etwas und willst es aussprechen, aber deine Zunge ist unfähig, so, als hättest du überhaupt nichts gedacht. Da ist keine Stimme, die dir das bestätigt. Als ich die Fähigkeit zu sprechen verloren hatte, wusste ich nicht mehr, was ich wollte und wer ich war. Ich war vollkommen hilflos. Selbst meine Bewegungen standen in keiner Beziehung mehr zu meinem Denken. Als ich dann wieder sprechen konnte, hörte ich nicht meine alte Stimme; es war eine fremde Stimme, sie drückte nicht das aus, was in meinem Kopf war, es war eine Stimme, die sprach, bevor ich dachte. Neun Tage versuchte meine Familie, mich zum Sprechen zu bringen. Ich war klein, verloren. Sie sind noch nicht einmal auf die Idee gekommen, mich aufzufordern, meine Wünsche aufzuschreiben. Ich war voller Worte gewesen, aber alles war weg, als wäre ich damals gestorben.”

„Es ist jetzt nicht die richtige Zeit, dich mit diesen Erinnerungen zu belasten.”

„Willst du nicht wissen, warum ich das frage? Ich antworte dir: Wenn du etwas anderes aussprichst, als du eigentlich willst, ist es, als wärst du stumm. So geht es mir. In meinem Kopf drängen sich die Gedanken, aber ich rede banales Zeug, ich schwätze daher, um meine Fähigkeit zu sprechen unter Beweis zu stellen. Soll ich wiederholen, was du gerade gesagt hast? Du wolltest sagen: Es ist nicht die richtige Zeit, deinen kleinen Verstand damit zu belasten. Ich mache dir keinen Vorwurf, du hast Mitleid mit mir. Hier, an diesem Ort, habe ich erfahren, wessen Wunsch es ist, dass mein Verstand klein bleibt.”

Sie keuchte beim Sprechen, als hätte sie ihre Sprache gerade erst wiedergefunden. Sie hatte so viel zu sagen, und ich glaube, dass ihre Gedanken einen Zusammenhang hatten, während ihre Sätze eher zerstreut und mitunter zögerlich wirkten. Sie erzählte mir von ihren Fehltritten und Entgleisungen, bewertete, was gewesen war und bewertete die Anderen; sie war scharfsinnig, sie warnte mich vor einigen Leuten und sie riet mir, an diesem unbarmherzigen Ort auf mich aufzupassen. Ich war froh über ihre Aufrichtigkeit und ihren Mut, wenngleich sie ihren eigentlichen Vorwurf nicht vor mir verbarg: “Dich hat das Schreiben auch halb stumm gemacht.” Und obwohl ich mir einen anderen Abschied gewünscht und mir absolut nicht vorgestellt hatte, dass er diesen Verlauf nimmt, sagte sie:

„Weißt du? Ich habe in der letzten Zeit einen einzigen Satz von dir erwartet: 'Fahr nicht'.”

„Wenn ich es gesagt hätte, wärst du dann geblieben?”

„Nein, aber du hättest es sagen müssen.”

Aus dem Arabischen von Larissa Bender

Der Romanauszug wurde im Rahmen des Projekts MIDAD des Goethe-Instituts Kairo übersetzt.

Unter dem Titel MIDAD (arabisch für Tinte) präsentierte das Goethe-Institut im September 2004 junge arabische Autorinnen und Autoren anlässlich des Ehrengastauftritts der arabischen Welt auf der Frankfurter Buchmesse.

Siehe auch:
Schwerpunkt Syrien

Kommentare


w.schuler - ( 13-12-2013 10:02:36 )
Eine Giftgasgranate hat wenig Sprengstoff.Gerade genug um den Behälter zu zerlegen und das Zeug zu verteilen.Wer so nahe dran war, dass die Autoscheiben bersten, ist eine Minute tot. Der Kerl fabuliert und lügt in einer derart aufreizenden Weise, dass es schon lächerlich wirkt.

Stephan Niese - ( 25-11-2013 02:44:10 )
Gibt es eigendlich irgendwas in diesem Artikel das nicht erstunken und erlogen ist?

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erstellt am 08.10.2013

Omar Kaddour. Foto: privat
Omar Kaddour. Foto: privat
porträt

Omar Kaddour

Omar Kaddour, geboren 1966 in Aleppo, ist ein syrischer Lyriker und Schriftsteller. Er studierte in Aleppo Bauingenieurswesen und Wirtschaftswissenschaften. Bisher erschienen zwei Lyrikbände und vier Romane von ihm. Der letzte, im Sommer 2013 unter dem Titel »Wer kennt Simon nicht« (man la ya’rif Simûn) herausgekommen, beschreibt, wie die mafiöse Regierung alle Bereiche des Lebens in Syrien beherrscht. Die Protagonistin des Romans träumt davon, Schauspielerin zu werden, doch während ihr Traum in Erfüllung zu gehen scheint, verstrickt sie sich immer tiefer in Beziehungen mit Mitgliedern der korrupten Regierung.

Omar Kaddour schreibt regelmäßig für das Feuilleton und die Meinungsseite verschiedener arabischer Zeitungen und Magazine.
Auf Deutsch erschien von ihm ein Auszug aus seinem Roman »Raue Kanten« im Rahmen des Projekts Midad des Goethe-Instituts. Außerdem ist er einer der Autoren des Bandes »Syrien – der schwierige Weg in die Freiheit«, herausgegeben von Larissa Bender im Verlag J.H.W. Dietz Nachf.

Siehe auch:
SCHWERPUNKT SYRIEN