Kunst

Ganz nah an den Produktionsorten der Kunst

Obwohl laufend zu hören ist, dass die Künstlerschaft nach Berlin abwandert, da sich dort vorteilhafte Bedingungen fürs Leben und Arbeiten bieten, trotzen in Köln, Frankfurt, München, Hamburg, Stuttgart und anderswo erstaunliche viele Künstler den überhöhten Mieten, schlechter Ateliersituation und hohen Lebenshaltungskosten. Sich der Magnetwirkung Berlins zu entziehen, wo ein Großteil der Kreativen mangels Verdienstmöglichkeiten von Transferleistungen leben muss, kann einige Vorteile haben. Entscheidend sind günstige Voraussetzungen für die künstlerische Arbeit sowie die Möglichkeit zum außer- oder zweitberuflichen Broterwerb, sofern die Kunst allein die Existenz nicht sichern kann.

Frankfurt ist zwar eine teure Stadt, mit raren – trotz zweier wichtiger Kunsthochschulen (der international hoch angesehenen Städelschule und der Hochschule für Gestaltung in Offenbach) – Ausstellungsräumen für heimische Künstler, knappem bezahlbarem Wohn- und Atelierraum, doch mit einem immer noch interessanten Sammlerpotenzial aus der Frankfurter Geschäftswelt und den finanzkräftigen Gegenden im Taunus.

Am dritten Novemberwochenende jedes Jahres öffnen die Frankfurter Künstler ihre Ateliers für die Öffentlichkeit und zeigen damit eine Vielfältigkeit und Lebendigkeit der Kunstszene auf, die mancher wohl nur im „hippen“ Berlin vermutet hätte. Es sind diesmal sage und schreibe 230 Künstler mit dabei.

Die Veranstaltung OPEN DOORS am Samstag, dem 20. November 2010, 14-21 Uhr, und am Sonntag, dem 21. November 2010, 14-18 Uhr, findet mit finanzieller Unterstützung der Stadt Frankfurt statt, die erkannt hat, wie wichtig es ist, den Kreativen günstige Bedingungen zu schaffen. Sicherlich müsste hier die Förderung (auch von Ausstellungsmöglichkeiten für Frankfurter Künstler) deutlich gesteigert werden, wer aber mal ein fußkaltes, nur mit einem Holzofen zu heizendes städtisches Atelier der Stadt Köln besucht hat, dem erscheint die Frankfurter Situation geradezu als paradiesisch.

Prominent und gut erreichbar sind die großen Atelierhäuser atelierfrankfurt (Hohenstaufenstraße 13-25) und basis (Gutleutstraße 8-12), beides gemeinnützige Vereine, die mit Ausstellungen und Veranstaltungen das ganze Jahr über Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Hier können Künstler relativ kostengünstig Räume anmieten. atelierfrankfurt eröffnet außerdem am Freitag, den 19. November 2010, um 19 Uhr, eine Ausstellung, die das 20-jährige Jubiläum des „Artists-in-Residence“-Programms des Frankfurter Kulturamts feiert und nicht nur Werke von Künstlern aus Frankfurt zeigt, die teilgenommen haben, sondern auch die der Gastkünstler.

Zweifellos gehört das Atelier des inzwischen 82-jährigen Max Weinberg zu den überwältigenden visuellen Erlebnissen eines Rundganges durch die Ateliers in der Ostparkstraße 47-49, die von der Stadt Frankfurt vermietet werden. Es empfiehlt sich dort auch ein Besuch bei den jungen Künstlerinnen Kristin Lohmann und Zero Reiko Ishihara, wie auch bei der Bildhauerin Wanda Pratschke, die von dem aufwändigen Bronzeguss des Gipsmodells erzählen kann, das im letzten Jahr in einem der Öffentlichkeit zugänglichen Werkprozess in der Ausstellungshalle Schulstraße 1A in Sachsenhausen entstanden war. Über die Stadt verteilt finden sich viele weitere private Ateliers von Künstlern, die einen Einblick in ihre Arbeit gewähren. Und auch hier lassen sich engagierte Projekte entdecken wie z.B. auf dem Gelände in der Gutleutstraße 294, der ehemaligen Druckfarbenfabrik Dr. Carl Milchsack, wo Monika Linhard und Jan Pohl in ihren Ateliers interessierte Besucher empfangen als auch eine Ausstellung mit den Gästen CaBri (Video), Eß/Fink (Rauminstallation), Trialog+Eins Projekt (Video) organisiert haben, die am Sonntag, 21.11.2010, um 16 Uhr, mit einer Performance von Jessica Klauß ausklingt.

Isa Bickmann

Ein Plan mit Adressen der OPEN DOORS findet sich hier:

open doors

Leider ist der Plan nur online lesbar: Wer sich auf einen DIN-A4-Ausdruck verlässt, sollte eine Lupe mit sich führen.

erstellt am 12.11.2010

Atelierfrankfurt
Atelierfrankfurt, Hohenstaufenstraße 13-25, während der Open Doors 2009
Atelierhaus Basis
Förderstudio, Atelierhaus Basis, Gutleutstrasse 8-12 (Foto: Cem Yücetas)
Atelier Linhard
Atelier von Monika Linhard, Gutleutstraße 294
Atelier Holitzka
Atelier von Ina Holitzka, Mörfelder Landstrasse 109
Atelier Nashunbatu
Atelier von Nashun Nashunbatu, Atelierhaus Basis, Gutleutstrasse 8-12 (Foto: Cem Yücetas)