Der syrische Lyriker und Maler Monzer Masri lebt in der syrischen Küstenstadt Latakia. Obwohl die Stadt bisher im Großen und Ganzen von den Kämpfen verschont blieb, können die Bewohner die Augen vor der Katastrophe im Land nicht verschließen. Monzer Masri beschreibt in einem eigenen, wie eine Ode klingenden Ton, welche Hoffnungen mit der Revolution für viele verbunden waren und welches Leid der Krieg für alle mit sich brachte und wie er die Gesellschaft veränderte.

Aktueller Originaltext

Lass mein Volk leben

Von Monzer Masri

1

Hör, wie es vom Himmel tönt, hör, wie es die Sonne zum Glühen bringt, wie es die Wolken donnern, hör, wie es sich mit dem Regen auf die durstige Erde ergießt, hör, wie es der Wind heult: »Lass mein Volk leben!«

2

Sie sagen zu dir: »Wir haben doch gelebt, gearbeitet, geliebt, wir haben Kinder bekommen, Dinge erworben und sogar Ausflüge gemacht.» Ja, wir haben gelebt … Ja, wir haben Mittel und Wege gefunden, verschlungene Wege, um auszuharren und weiterzumachen. Wir hatten keine andere Wahl. Auszuharren und weiterzumachen war geradezu unsere heilige Pflicht, egal unter welchen Umständen und unter welchen Bedingungen, Bedingungen, die uns auferlegt wurden und jenen, die nach uns kommen. Ja, wir haben gelebt. Wir haben gelebt in Falschheit und Lüge. Dort gelebt, wo täglich eine ganze Nation mit Lügen überschüttet worden ist, und wo wir diese, um aufrechte Patrioten zu sein, für bahre Münze zu nehmen und an sie zu glauben hatten. Unsere Tage begannen wir mit dem Nachplappern leerer Parolen, wir wurden gezwungen, auf Umzügen Spruchbänder zu tragen. Wie Clowns mussten wir auf öffentlichen Plätzen tanzen, und je alberner unser Tanz, desto üppiger die Belohnung. Wir lebten in Angst, in engen schwarzen Zellen, nicht nur denen der Gefängnisse und Geheimdienstzentralen, sondern auch den Zellen unseres Verstandes und unserer Herzen. Wir lebten in der Sicherheit von Pferchen und Käfigen, denn unsere Wohnungen entbehrten jeglicher Unantastbarkeit. Und sind deine eigenen vier Wände nicht unantastbar, dann ist deine Wohnung nicht deine Wohnung, und zu jeder Tages- und Nachtzeit kann eine aus zwei oder drei Geheimdienstlern bestehende Patrouille an deine Tür klopfen oder sie eintreten und in dein gesamtes Leben eindringen. Dann nehmen sie dich mit, dich oder deinen Sohn, oder dich und deinen Bruder und deinen Sohn. Ja, sie haben uns mitgenommen, wegen eines beiläufig dahergesagten Wortes, wegen eines von einem Blick begleiteten Schweigens, wegen einer Namensähnlichkeit, der Ähnlichkeit des Blicks, der Stimme. Und wohin? Dorthin, wohin kein Sonnenlicht dringt und die Gebete ihren Weg nicht finden. Dorthin, wohin keine Ameisen gelangen und wo die Fliegen nicht wissen, wo sie sind. Ja, wir haben gelebt – unter ihrer Gnade, unter ihren Stiefeln. Dies ist eine Wahrheit, die sich alle Syrer eingestehen müssen. Wir haben als Feiglinge gelebt. Und wir haben unsere Kinder gelehrt, wie Feiglinge zu leben, vielleicht sogar als bessere Feiglinge als wir. Wir haben gelebt in Angst und Zweifel und Betrug und haben jegliche Würde, unser Selbstvertrauen und unsere Selbstachtung verloren. Ja, ich kann sogar sagen, dass alle heute lebenden Syrer, egal welchen Alters, wie Sklaven lebten. Und ihre Besitzer konnten mit ihnen tun und lassen, was sie wollten; sie konnten sie verkaufen wie Sklaven, tauschen wie Sklaven, vererben wie Sklaven.

3

Hör, wie es aus der Erde aufbricht, als würde sie ein Kind gebären, wie die kahlen Berge es schreien, wie es mit dem Qualm seufzend aus den Tälern aufsteigt, wie die verkohlten Bäume es psalmodieren, hör, wie es in den verlorenen Flüssen, aus den verängstigten Quellen rauscht: »Lass mein Volk leben!«.

4

Ich gehe nicht mehr zur Arbeit, denn ich bin jetzt Pensionär und tue nichts. Doch immer, wenn ich meine Wohnung verlasse – sei es um Freunde zu treffen oder etwas zu besorgen, sei es um ins Atelier zu gehen und zu versuchen, ein Bild zu vollenden, das ich vor einem Monat begonnen habe, obwohl mir immer wieder die Kraft selbst für einen einzigen Pinselstrich fehlt …, immer wenn ich meine Wohnung verlasse, dann denke ich darüber nach, was ich anziehen soll, welche Hose und welches Hemd ich tragen möchte, wenn ich verhaftet würde. Welche Schuhe sich besser eignen, falls ich die Beine unter den Arm nehmen müsste. Wie viel Geld ich bräuchte, wenn ich vierzig Tage im Gefängnis bliebe. Ob ich mein Mobiltelefon mitnehmen sollte, das vielleicht die Telefonnummer eines Gesuchten sowie ein Foto enthält, das ihnen nicht passt, oder die SMS eines Freundes. Oder ob es nicht doch besser sei, obwohl ich es dringend benötigen würde, es zu Hause zu lassen?

5

Hör es in den Städten, in den Straßen, hör es von den Balkonen und aus den Fenstern der schweigenden Gebäude, hör, wie es die Mauern schreien, hör, wie es mit den Rufen von den Minaretten aufsteigt, wie es die Kirchenglocken läuten, hör, wie es aus den Särgen dringt, in denen nur Seelen ruhen, hör es aus den Gräbern aufsteigen, die ihre erdigen Mäuler geöffnet haben, hör, wie die Grabsteine es mit einer einzigen Stimme beschwören: »Lass mein Volk leben!«.

6

Oft schon habe ich aus Versehen Texte in meinem Laptop gelöscht oder verloren, an denen ich tage-, ja monatelang geschrieben hatte. Jetzt habe ich ein Dossier mit dem Titel »Wände« verloren oder gelöscht. Es enthielt eine Sammlung von Fotos, die ich über zwei Jahre hinweg von den Wänden in Latakia machte und über die ich einen Artikel schreiben wollte und immer noch will. Doch ich habe es nicht getan. Deshalb muss ich die Fotos, wo immer möglich, noch einmal aufnehmen, was diverse Gefahren birgt. Denn auch wenn das Fotografieren überall in Syrien in einem nicht gekannten Ausmaß möglich geworden ist, weil jedes Mobiltelefon auch eine Kamera hat, so erregt es auch Verdacht. Die meisten Menschen sehen es nicht gern, wenn einer dasteht, das Handy auf Augenhöhe hebt und ein Foto schießt. Mir wurde sogar erzählt, dass es Leute gibt, die in den Cafés am Scheich-Dâhir-Platz sitzen, mitten in der Stadt, und die Menschen mit großer Aufmerksamkeit beobachten. Und sobald sie jemanden ein Bild schießen sehen – und was wäre eigentlich, wenn er die Statue von Hafis al-Assad fotografieren wollte, die genau in ihrer Mitte steht? – dann stürzen sie wie von der Tarantel gestochen von ihren Plätzen, ergreifen den Fotografen auf frischer Tat und bringen ihn zur Märtyrer-Dschol-Dschamâl-Oberschule, welche einst die erste offizielle Oberschule von Latakia war. Viele Persönlichkeiten des Landes haben diese Schule besucht – die bekannteste ebenjener Mann, den die Statue darstellt -, doch heutzutage dient sie als Kaserne für die Truppen des Regimes und als provisorisches Gefängnis für die Bevölkerung der Stadt. Als erstes habe ich das Graffiti am Gebäude des Stromspeichers, der hinter dem Haus der Pfadfinderorganisation unweit von meinem Viertel liegt, noch einmal fotografieren wollen, doch der Schriftzug, der das Regime und seinen Präsidenten betraf, war von grüner Farbe überdeckt. Die Geheimdienstler, die die Schrift überstrichen hatten, hatten es sich zudem nicht verkneifen können, stattdessen jenen Satz dort zu hinterlassen, an den sie unerschütterlich glauben: »Ein Volk von Eseln«.

7

»Ein Volk von Eseln«, weil es glaubte, dass es, nachdem es jahrzehntelang geduldig Fesseln und Erniedrigung ertragen hatte, ganz wie seine Brüder – das tunesische, das ägyptische, das libysche und das jemenitische Volk – das Recht habe, Würde und Freiheit einzufordern. »Ein Volk von Eseln«, weil es glaubte, dass seine Regierung sich – wie andere Regierungen auch – aus den Bürgern des Landes zusammensetzt und für diese Bürger einsteht, und dass diese Regierung, so sehr sie sich auch dagegen sträuben mag, am Ende den Forderungen und Wünschen des Volkes nachkommen werde. »Ein Volk von Eseln«, weil es glaubte, dass die Völker bleiben, während die Regierungen, jedweder Art, auftauchen, kurz oder lang regieren und am Ende wieder verschwinden, auf dass eine andere folgt. »In der Tat … ein Volk von Eseln«, weil es glaubte, dass auf der Welt das Gute herrsche, die Schönheit und das Recht des Menschen auf Freiheit und Würde, und dass diese Welt ihm fraglos beistehen und ihm helfen werde, seinen Anteil davon zu ergattern. »…ein Volk von Eseln«, weil es glaubte, dass, wenn tatsächlich die Eigeninteressen die Entscheidungen von Staaten bestimmten, es auch im Interesse der Welt liegen muss, dass Syrien in ihren Schoß zurückkehrt, als sicheres, offenes und freies Land.

8

Hör es aus den Mündern, den aufgesperrten und aus jenen für immer verstummten, hör, wie die den Waffen entgegengestreckten Oberkörper es schreien, wie es aus den Kehlen steigt. Hör, wie es Trommeln gleich die Herzen schlagen, wie es aus den aufgerissenen Augen blickt, den tränenerfüllten, blutenden, blinden. Sieh es in den Augen, deren Lider vom Vorhang der Nacht und des Todes verhangen sind: »Lass mein Volk leben!«.

9

Wir alle waren frustriert, doch wir hatten kapituliert. Wir waren verurteilt, doch nicht zu Hoffnung, wie Saadallah Wannous zum Abschied sagte, sondern zu Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit. Doch kaum hatte die Revolution ihr strahlendes jugendliches Gesicht hervorgestreckt, kaum war sie aufgegangen wie eine junge Sonne, da vernarrten sich all jene freien Geister in sie, die nach Liebe, Freude und dem Leben lechzten. Wie kann ein Regime aus den überkommenen Zeiten der Verdrängung, der Angst und der Sklaverei sich etwas so Wunderbarem entgegenstellen? Wie könnte es den Sieg darüber davontragen?

10

Hör es von den geduldigen Vätern, hör es von den trauernden Müttern, hör es von den Söhnen, die fortgingen, ohne die Hände ihrer Eltern zu küssen und ohne dass die Tränen die Wangen ihrer Mütter nässten, hör es von den Söhnen, die zurückkehrten, eingehüllt in schwarze und weiße Fahnen, und von den Söhnen, die von ihren Eltern in aufgereihten Särgen, in die niemand einen Blick zum Abschied hineinwerfen darf, empfangen wurden, hör es von den verlorenen Söhnen, von denen nichts bleibt als eine Todesanzeige auf Papier: »Lass mein Volk leben!«.

11

Während ich die Bilder und Videos von den Volksdemonstrationen in Syrien betrachtete, sah ich, dass es »bewaffnete Gruppen« (!?) in Deraa, Homs, Hamah, Idlib, Salamija, Rastan, Douma, Binnisch, Kafranbel gab, doch nur in Latakia habe ich sie mit eigenen Augen gesehen, verliebt bis zum Äußersten in Tanz und Gesang.

12

Angefangen von der ersten Demonstration im Hamidija-Suk in Damaskus am 15. März 2011, war alles, was das syrische Volk forderte: »Das syrische Volk will nicht gedemütigt werden«. Und auf der Demonstration vor dem Innenministerium am nächsten Tag, als die Sicherheitskräfte den 77-jährigen Philosophen Tayyeb Tizini über den Mardscha-Platz schleiften und mit ihren Stiefeln auf ihn eintraten, hieß es: »Freiheit, Freiheit«. Alles, was auf die Mauern jener Grundschule in Deraa mit dem Blut von Hamza Al-Khatib und seiner Brüder geschrieben wurde, war: »Ein freies Syrien und sonst nichts«. Alles, was die Bevölkerung von Latakia mit nacktem Oberkörper und erhobenen und ineinander verschränkten Armen rief, war: »Sunniten, Christen, Alawiten – wir alle wollen Freiheit«. Doch sie ließen die Kugeln auf sie niederprasseln, sie schossen scharf und töteten. Alles, was die Demonstrationen im verwundeten Hamah, im stolzen Idlib, im enthaltsamen Deir al-Zor beschworen, war: »Wir haben niemanden außer dir«. Alles, was in Homs mit den schwarzen Steinen und den weißen Herzen auf dem Uhrenplatz dröhnte, war: »Eins, eins, das syrische Volk ist eins«. Alles, was Aleppo dreißig Jahre lang nicht ausssprach, bis Geschrei und Tod in ihm explodierten, war: »O Gott, o Gott, o Gott«. Alles, was das geduldige und gottesfürchtige Damaskus in seinem Herzen verbarg, war: »Stoppt das Töten, das syrische Volk will das Leben«. Alles, was die Seelen der Toten von Daraija, Hula, Tarmisa, Qubair, Baida, Maarrat Al-Numan, Qalat al-Madiq, Tasil und Scheich Hassan psalmodierten, während sie sich wie eine Flamme in die Höhe wanden, war: »Lass mein Volk leben!«.

13

Es ist nicht nur Sehnsucht, nicht nur eine emotionale Bindung an den Ort, an die ersten Erinnerungen, an die verblassten Fotos aus der Kindheit, warum ich Latakia nur selten verlasse, warum ich keinen Geschmack daran finde, weit entfernt zu leben, warum ich nur in dieser Stadt und bei ihren Menschen einen Sinn für mein Leben finde, warum ich die Tage, die ich – widerwillig oder beglückt – fort von der Stadt verbringe, als Zeitverschwendung empfinde, denn niemals hat Latakia mich enttäuscht. Latakia ging mir stets voraus und zog mich weiter, bis ich ein besserer Mensch wurde, ein mutigerer, ein glaubwürdigerer. Zum ich weiß nicht wie vielten Male in meinem Leben glaube ich an mein Latakia. Die Stadt stellt ihre Liebe zur Heimat und ihre Menschlichkeit unter Beweis, sie opfert ihre eigenen Kinder, ihre jungen blauen Seelen, für die Freiheit ganz Syriens, für die Würde der gesamten syrischen Bevölkerung, für ein besseres Leben für alle … unterschiedslos, ausnahmslos.

14

Ich war unangenehm überrascht, als ich eines Abends zu einem Freund im Ziraa-Viertel in Latakia ging – das große Stadtviertel, dessen Bewohner im Allgemeinen für ihre Loyalität zum Regime bekannt sind -, und dort sah, wie die Menschen sich in den Cafés drängten, wie sie zu zweit oder in Gruppen über den Bürgersteig schlenderten, sich von Zeit zu Zeit einfach irgendwo niederließen. Die kürzlich in diesem Viertel eröffneten Märkte haben sich rasch vergrößert, sind noch spät beleuchtet und voller Kunden. Während die eigentlichen, die traditionellen Märkte der Stadt nahezu leer sind und früh schließen, noch vor dem Ende des Tages. Die Menschen kehren nach Hause zurück, sperren die Türen zu, und ihre einzige Sorge dreht sich um ihre Sicherheit und die Unversehrtheit ihrer Kinder. Ja, ich war unangenehmen überrascht, doch kurz darauf erinnerte ich mich, dass Latakia, meine Stadt, im Vergleich zu ihren Geschwistern wie Deraa, Homs, Hamah, Idlib, Aleppo, Rakka, Hasakeh und sogar Damaskus vom Glück begünstigt scheint: keine Bombardierungen, keine Plünderungen, keine Vertreibungen … zumindest bis jetzt.

15

Hör es, salzig, angereichert mit dem Schweiß der Stirn, hör, wie es mit den Tränen fließt, hör, wie es mit dem Blut in den geschwollenen Adern kreist … Schweiß, Tränen, Blut der Syrer, das das Antlitz der Welt gefärbt hat …, das Blut aller Syrer: »Lass mein Volk leben!«.

16

Syrien ist zerrissen, die Syrer sind zerrissen, Freunde eines Lebens haben sich voneinander entfernt und getrennt, vielleicht sogar verfeindet und hassen sich jetzt. Ich, der ich immer glaubte und noch glaube, dass Freundschaft Heimat bedeutet, der ich es ablehnte, mit meinen Freunden über Meinungen und Überzeugungen, ja sogar über Standpunkte und politische Zugehörigkeiten zu streiten, in denen ein jeder von uns plötzlich sich wiederfand, auch ich bin nicht verschont davon und verliere nun das Großartigste, was die Frucht meines gesamten Lebens sein könnte. Ich habe etliche Freunde und Bekannte verloren, in deren Begleitung ich, wie ich glaubte, meinen Lebensweg bis zum Ende gehen würde. Aber nein … Jetzt sitzt der Zwist tiefer und geht weit über Meinungsverschiedenheiten oder abweichende politische Standpunkte hinaus. Wenn wir uns früher nach einem Streit stets wieder zusammenrauften, liegt das Problem jetzt darin, dass wir die Hoffnung nicht teilen. Dass einige von uns die Saat der Hoffnung säten und bewässerten, während andere auf ihr herumtrampelten und die zarten Pflänzchen wieder ausrissen.

17

Tote, Ermordete, Märtyrer, nenne sie, wie immer du willst, man muss nicht angeben, von welcher Konfliktpartei, sie alle sind Syrer, Söhne und Brüder, man muss nicht bestimmen, wie viele an der Zahl, denn niemand kennt die Wahrheit. Und täglich werden es mehr. Manche sprechen von hunderttausend, andere von zweihundert- oder dreihunderttausend. Unzählige Vermisste, sie wurden verhaftet oder entführt, und niemand weiß wo sie sind, keiner kennt ihr Schicksal, niemand weiß, ob sie leben oder tot sind, niemand kennt ihre Zahl. Zu Hunderttausenden wurden sie inhaftiert vom Regime. Zu Hunderttausenden wurden die Menschen obdachlos, wurden ihre Häuser zerstört, sie haben alles, einfach alles verloren. Die Hälfte der syrischen Städte liegt in Ruinen, die Hälfte des aus über zwanzig Millionen Menschen bestehenden syrischen Volkes ist vertrieben. Die Syrer stellen das größte Flüchtlingsphänomen in der modernen Geschichte der Menschheit dar. Und wie geht es weiter? Was kann noch mehr geschehen? O Welt, o Menschheit …, o Gott: »Lass mein Volk leben!«.

Aus dem Arabischen von Larissa Bender

Siehe auch: Schwerpunkt Syrien

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erstellt am 30.9.2013

Monzer Masri. Foto © Larissa Bender

porträt

Monzer Masri

Monzer Masri ist ein syrischer Lyriker und Maler, geboren 1949 in der Küstenstadt Latatika, wo er bis heute lebt. Er studierte zunächst Wirtschaftswissenschaften in Aleppo und Regionalplanung in Warschau.

Seine ersten Gedichte veröffentlichte Monzer Masri 1974, das erste Buch wurde unter dem Titel »Menschen, Historien, Orte« vom syrischen Kulturministerium veröffentlicht. 1984 folgte eine Gedichtband gemeinsam mit seiner Schwester Maram Al-Masri und Mohammad Saidah unter dem Titel »Ich habe dich durch eine weiße Taube gewarnt«. Sein fünfter Gedichtband wurde vom 1989 Kulturministerium verboten, das 1994 auch die Seiten mit seinem Gedicht aus dem libanesischen Magazin Annaked herausriss. Nach einer dreizehnjährigen erzwungenen Pause veröffentlichte der Verlag Riad Al-Rayes in Beirut ab 1997 mehrere Gedichtbände von Monzer Masri.

2000 erschienen Gedichte von Monzer Masri in der Anthologie »Die Farbe der Ferne. Moderne arabische Dichtung«, herausgegeben von Stefan Weidner im Verlag C.H. Beck. Dadurch wurde er auch international bekannt und seitdem regelmäßig zu Lesungen auf Buchmessen und Lyrikfestivals in verschiedene europäische Städte eingeladen.

Monzer Masris Bilder wurden zwischen 1979 und 2000 in sieben Einzelausstellungen in Latakia und Damaskus gezeigt. Auch in Europa und einigen arabischen Ländern konnte er Präsentationen seiner Werke zeigen.

siehe auch

SCHWERPUNKT SYRIEN