Die Operettenfestspiele in Bad Ischl haben mittlerweile eine beachtliche Qualität erreicht. Thomas Rothschild hat die dortige Aufführung von Carl Millöckers »Gasparone« besucht.

operette

Der Räuber ist an allem schuld

Carl Millöckers „Gasparone“ in Bad Ischl

Von Thomas Rothschild

In Bad Ischl ist die Zeit stehen geblieben. Alljährlich feiern Monarchisten hier den Geburtstag Kaiser Franz Josephs, der in Bad Ischl seinen Sommerurlaub zu verbringen pflegte. Von den Verehrern, die ihm hierhin folgten, zeugen die zahlreichen Häuser in Kaisergelb. Auch Franz Lehár hatte in Bad Ischl, direkt an der Traun, eine ansehnliche Villa, und er starb in der schmucken Kleinstadt mitten im Salzkammergut. Wo also, wenn nicht hier, sollten Operettenfestspiele stattfinden, die sich inzwischen Lehár Festival nennen, zumal wenn eine der besten Konditoreien Österreichs, der Zauner, den Aufenthalt im wahrsten Sinn des Wortes versüßt?

In den Anfangsjahren eher von amateurhafter Provinzialität, hat das Festival mittlerweile eine beachtliche Qualität erreicht. In den vergangenen Jahren wurden jeweils zwei Operetten angeboten, eine davon vom Namensgeber Lehár. In diesem Jahr hat man sich erstmals entschlossen, ein Musical, „Hello, Dolly!“, ins Programm zu nehmen und als obligatorische Operette Carl Millöckers „Gasparone“. Millöckers Werk von 1884, das auf seinen erfolgreichen „Bettelstudent“ folgte, spielt in Sizilien im Jahr 1820. Es geht um den Räuber Gasparone, die wie Godot niemals in Erscheinung tritt, aber als Ausrede für die Gaunereien der anderen willkommen ist. Eine Schwank-Handlung also mit geschickten Verwicklungen. Die beliebte österreichische Schauspielerin und Kabarettistin Dolores Schmidinger, die nicht zum ersten Mal in Bad Ischl Regie führt, verlegt die Handlung ins Mafia-Milieu der Zwischenkriegszeit im 20. Jahrhundert. Das gibt ihr Gelegenheit zu allerlei auch aktuellen witzigen Anspielungen.

So kommt denn eine durchweg heitere, sommerlich unterhaltsame Aufführung heraus, bei der das Ambiente des Ischler Kurhauses zum Erfolg beiträgt. Gesanglich treffen die Solisten den spezifischen Ton, der die Operette von der Oper unterscheidet. Schauspielerisch ist die Erinnerung an die provinziellen Anfänge nicht ganz zu verdrängen. Einzig Gerhard Ernst in der Rolle des korrupten Bürgermeisters Nasoni ragt aus dem Ensemble heraus. Schwitzend schleppt sich der nicht mehr ganz junge Volksschauspieler und Sänger durch das Stück und stellt doch all die Jüngeren in den Schatten.

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erstellt am 26.9.2013

Szenenfoto: Foto Hofer, Bad Ischl