Im März 2013 erschien der Roman »Gottes blutiger Himmel« des berühmten syrischen Schriftstellers Fawwaz Haddad in der Übersetzung von Günther Orth im Aufbau Verlag. Darin schickt der Autor seinen Protagonisten im Jahr 2006 in den Irak – und damit in die Hölle. Er ist auf der Suche nach seinem Sohn, der sich, obgleich säkular erzogen, der Organisation Al-Qaida angeschlossen hat. Was der Vater auf seiner Reise erlebt, ist so grausam, dass er kurz vor seiner Rückkehr nach Syrien sein Gedächtnis verliert. Doch er weiß, dass er sich erinnern muss, und so lässt der Autor den Leser am Prozess des Erinnerns teilhaben und entfaltet das Bild einer zutiefst in Ideologien verstrickten Region und eines existenziellen Generationenkonflikts. Larissa Bender hat den Autor in Hamburg getroffen und mit ihm über den Roman und die Situation in Syrien gesprochen.

Gespräch mit Fawwaz Haddad

»Wir müssen uns erinnern«

Herr Haddad, warum haben Sie, als Syrer, den Irak als Thema Ihres Romans gewählt?

Fawwaz Haddad: Ich habe den Irak als Schauplatz gewählt, aber es ist kein Roman über den Irak, sondern ein Roman über die Iraker. Eigentlich aber ist es die Geschichte über einen Vater, der in den Irak reist, um seinen Sohn von Al-Qaida zurückzuholen. Die Geschichte spielt zufällt im Irak, und zufällig hatte es eine amerikanische Invasion gegeben.

Aber Sie waren es, der den Sohn in den Irak geschickt hat, und die Situation im Irak war damals schrecklich. Das war eine beabsichtigte Wahl, kein Zufall.

Ja, das war natürlich kein Zufall. Als die amerikanische Invasion in den Irak begann, hielt ich das für ein einschneidendes Ereignis für die gesamte Region, denn zum ersten Mal kehrte der Kolonialismus in Form von Armeen zurück. Von dem Zeitpunkt an habe ich alles über den Irak gesammelt, tausendzweihundert Dokumente. Darauf habe ich mich beim Schreiben des Romans gestützt. Das Besondere war ja auch, dass Al-Qaida in den Irak kam, und zwar in der Person von Abu Musab al-Zarqawi, und ich glaubte, dass dieser Zusammenprall von Amerikanern und extrem fundamentalistischen Gruppierungen ein ganz wichtiges Ereignis sein würde. Und so war es dann ja auch.

Wo haben Sie geforscht, woher hatten Sie all diese Dokumente?

Ich habe jeden Tag alles, was über den Irak erschien – Reportagen, Nachrichten etc. – gesammelt und Dossiers erstellt. Zum Beispiel ein Dossier über die Söldner im Irak, über die Frauen, die Scharia, Al-Qaida, und aus diesen 1200 Dokumenten sind dann etwa fünfzig große Ordner geworden.
Immer wenn ich einen Roman schreibe, sammele ich so viel Material wie möglich. Das ist natürlich auch ein Problem für einen Schriftsteller, denn auf der einen Seite verfügt er zwar über viele nützlich Informationen, auf der anderen Seite kann er sich auch verzetteln. Das verlangt eine gewisse Professionalität vom Autor. Er muss wissen, was er will, er muss Hauptlinien des Romans festlegen, an die er sich hält, um zu einem Ergebnis zu kommen.

Sie haben in dem Roman auch das Vergessen als Thema gewählt. Der Protagonist will eigentlich vergessen, aber er spürt gleichzeitig, dass das Vergessen sein Leben zerstören wird. Was bedeutet es, wenn eine Gesellschaft ihre Geschichte vergisst?

Der Protagonist wollte bewusst vergessen, und dann vergaß er tatsächlich. Er wollte alles vergessen, was er erlebt hat, denn die Ereignisse, die ich in dem Roman schildere, haben es verdient, vergessen zu werden. Manchmal habe ich das Gefühl, dass die Gesellschaften vergessen müssen, um neu beginnen zu können. Aber durch dieses Vergessen verlieren sie auch die Zukunft. Wenn man seine Vergangenheit vergisst, ist man wie gelähmt. Man weiß nicht mehr, wohin man gehen soll, denn die Vergangenheit weist einem auch die Richtung. Der Protagonist hat also gemerkt, dass er sich – auch wenn die Vergangenheit vermint ist – erinnern muss. Wer sich nicht erinnert, wiederholt seine Fehler.

Sie haben in dem Roman drei ganz besondere Tabus behandelt: die Homosexualität unter Männern, den Atheismus und die Vergewaltigung von Frauen. Gerade in der heutigen Zeit sehen sich Schriftsteller in der arabischen Welt Angriffen ausgesetzt, auch und gerade von Salafisten. Wie war die Reaktion auf den Roman in Syrien?

Das Problem ist, dass sich die Kritiker in Syrien, die Menschen, die überhaupt lesen, gar nicht berühren lassen, so viele Fragen ein Roman auch aufwerfen mag. Deshalb ist gar nichts passiert. Bei uns sind die Intellektuellen träge, man kann ihnen einen Thema präsentieren, das sie diskutieren können, aber das tun sie nicht. Vielleicht hängt das mit der Feindschaft der Intellektuellen untereinander zusammen, mit Dummheit.

Und wie sieht es mit der offiziellen Zensur durch die Regierung aus?

Natürlich bin ich schon sehr früh der Zensur ausgesetzt gewesen und habe deshalb im Libanon veröffentlicht. Seit meinem dritten Roman wurde ich in Syrien schon verboten. Man hatte damals meinen Fall sogar der Regionalführung (der Baath-Partei, A.d.Ü.) vorgelegt. Aber auch der Schriftstellerverband hat nicht zugestimmt. Es war unmöglich. Dann habe ich den Roman im Libanon veröffentlicht und versucht, ihn offiziell, über das Informationsministerium ins Land zu holen, aber auch dem hat man nicht zugestimmt. Seitdem publiziere ich im Libanon.

Wie kann man in einer Diktatur wie in Syrien schreiben, ohne die Schere im Kopf?

Das ist das einzige, wovor ich Angst habe: die Selbstzensur. Und ich bekämpfe sie. Manchmal brauche ich ein, zwei Tage, eine Woche, bis ich sie überwinde. Wenn ich über die Konsequenzen nachdächte, würde ich aufhören zu schreiben. Es gibt Romane, die sich einem geradezu aufdrängen, man hat sie so vielleicht gar nicht geplant. So ging es mir auch mit “Gottes blutiger Himmel”. Ich wollte einfach das Leiden eines Vaters beschreiben, der nicht damit gerechnet hat, dass das mit seinem Sohn passiert, und der losgezogen ist, um ihn zurückzuholen. Und plötzlich war ich mit der Invasion konfrontiert, die konnte ich nicht ignorieren. Daraus ergaben sich dann auch die ganzen anderen beschriebenen Themen.

Diese Themen habe sich also aufgedrängt? Sie haben sie nicht gewählt?

Ja. Romane schreiben bedeutet für mich, Lösungen zu finden. Immer wenn ich eine Linie im Roman verfolge, stoße ich auf ein neues Problem. Und dann erreiche ich irgendwann einen Punkt, an dem ich verzweifle und sage, ich schreibe diesen Roman nicht weiter. Doch immer wenn ich das Gefühl habe, der Weg sei versperrt, finde ich plötzlich eine Lösung. Manchmal auch mehrere, und ich wähle eine aus. Deshalb schreibe ich auch sehr langsam, ich denke viel nach.

Sie schildern in dem Roman eine unglaubliche Brutalität, der Amerikaner wie auch der Iraker. Nun ist die Situation in Syrien beinahe so wie damals im Irak. Woher kommt all diese Brutalität Ihrer Meinung nach?

Ehrlich gesagt, bereitet mir diese Frage wirklich schlaflose Nächte, besonders, weil so etwas nun in unseren Ländern passiert. Betrachten wir einmal den Ersten und den Zweiten Weltkrieg! Es gab schreckliches Leid, etwa als die deutsche Armee in Russland einmarschierte, Massaker verübte und Angst und Schrecken verbreitete. Da fragt man sich auch, woher dieser Hass bei den Menschen kommt. Es hat den Anschein, dass der Krieg das Tierische im Menschen entfesselt, aber eigentlich sind die Tiere ja gar nicht so brutal. Was im Irak geschah und jetzt vielleicht in Syrien, liegt in der Natur des Menschen. Man versucht es einzugrenzen, durch Religionen, Regierungen, aber es scheint doch, dass der Mensch, wenn er die Möglichkeit dazu hat, die grausamsten Verbrechen begeht.

Die Religionen begrenzen diese Brutalität, aber im Namen der Religionen werden auch die schrecklichsten Verbrechen begangen, wie Sie ja auch im Roman beschreiben.

Die Religionen entstanden, um eine moralische Stütze darzustellen, und dann wurden sie instrumentalisiert. Genau wie alles andere instrumentalisiert wird, wie der Marxismus oder alle anderen Ideologien. Alles hat zwei Gesichter.

Wir haben seit Beginn der Revolution nur wenig von den syrischen Intellektuellen gehört, die im Land leben. Wie ist ihre Situation?

Es gibt Intellektuelle, die beim Staat angestellt sind, diese haben geschwiegen. Und das ist auch gut so, denn andere, auch Angestellte beim Staat, haben gegen die Revolution geschrieben, bis jetzt. Aber es gibt auch Schriftsteller, die weit weg vom Zentrum lebten, auf dem Land, die sich an Demonstrationen beteiligten. Von ihnen wurden einige getötet. Manche haben das Land auch verlassen.

Warum und wann sind Sie weggegangen?

Ich bin vor sechs Monaten weg, nicht weil ich bedroht wurde, sondern weil ich wie ein Gefangener zuhause in Damaskus eingesperrt war. Ich bin kaum noch hinausgegangen. Und den ganze Tag Nachrichten zu hören, ist eine unglaubliche psychische Belastung. Ein Freund lud mich nach Katar ein, um meinen neuen Roman dort zu schreiben. Deshalb bin ich jetzt in Katar, in Doha, zu Gast.

Handelt der neue Roman von den Ereignissen während der Revolution?

Ja, natürlich. Ich schreibe über diese unglaublichen Geschehnisse in Syrien, darüber, dass wir uns nach vierzig Jahren Geheimdienststaat von diesem befreien. Darüber muss ich einfach schreiben. Es ist eine Aufforderung, sich zu erinnern. Wir müssen uns daran erinnern, was wir erlebt haben.

Zuerst erschienen in: Literaturnachrichten

Das Gespräch führte Larissa Bender

Siehe auch:
SCHWERPUNKT SYRIEN

romanauszug

Fawwaz Haddad »Gottes blutiger Himmel«

Es war hoffnungslos, dem Leiter des Geheimdienstabschnittes zu erklären, was in mir vorging. Mein Sohn war für ihn nichts weiter als ein Gesuchter. Er würde nie verstehen, was es für mich bedeutete, ihn vielleicht niemals wiederzusehen, noch begreifen, wie tragisch es für mich war, ihn am Leben zu wissen und doch seinen Tod nicht verhindern zu können. Ich berichtete dem Offizier in Kurzform, dass ich in Dawwasa gewesen war und nichts erreicht hatte. »Ich werde weder Ihnen noch mir selbst von Nutzen sein können«, beschied ich ihm. Das Einzige, was ich noch tun könne, sei, tatenlos dazusitzen und auf einen Anruf von jenseits der Grenze zu warten, in dem mir mitgeteilt würde, dass mein Sohn als Märtyrer im Kampf für den Dschihad gefallen sei.

Der Offizier räusperte sich und murmelte etwas, was wohl ein Vorschlag sein sollte. Aber ich unterbrach ihn ärgerlich und versuchte ihm noch einmal darzulegen, was es für mich bedeuten würde, wenn mein Kind nicht mehr auf dieser Welt wäre. »Ich werde nicht einmal seine Überreste oder seine Asche zu sehen bekommen!«

War dieser Mann daran gewöhnt, dass Leute verschwanden, ohne eine Spur zu hinterlassen? Gewiss. Trotzdem fand er nun doch Worte des Trostes: Leider könne er in dieser Sache zwar nichts mehr tun, aber er habe mir noch etwas zu berichten, was mir in meiner Not vielleicht ein wenig Erleichterung verschaffen würde. Die gute Nachricht sei, meinte er, dass Samer persönlich kein Selbstmordattentat begehen würde. »Seien Sie zumindest in dieser Hinsicht beruhigt. Das schützt ihn natürlich nicht vor anderen Gefahren, aber was wir sicher wissen, ist, dass er nicht in den Tod gehen soll.«

Seine frühere Einschätzung habe er revidiert, so der Offizier, als er entdecken musste, dass die Dienste durch gezielte Fehlinformationen in die Irre geführt worden seien. Erst gestern hätten seine Mitarbeiter von einem frisch Verhafteten erfahren, dass alle Bewegungen, die man über Samer aufgezeichnet hatte, nur Tarnung gewesen seien. Alles habe ausdrücklich so aussehen sollen, als würde man einen jungen Mann für den Dschihad rekrutieren und in den Irak schicken. Dieser würde es dorthin schaffen oder auch nicht – vielleicht würde er unterwegs getötet. So habe es aussehen sollen, und so habe es auch ausgesehen, aber was sich tatsächlich abgespielt habe, sei den Sicherheitsdiensten entgangen. Der Festgenommene sei während des Verhörs zusammengebrochen und habe daraufhin viel mehr offenbart, als der Geheimdienst erwartet hatte: So sei schon vor sechs Monaten damit begonnen worden, eine logistische Zelle aufzubauen, die aus dem Libanon heraus agierte und in Syrien ihre Basis aufgebaut hatte. Die Gruppe unterstand dem Befehl eines Emirs, den sie zuvor anerkannt hatte. Einer seiner Gefolgsleute beschaffte Geld und Waffen, andere stellten gefälschte Personalausweise und Pässe verschiedener Staaten her, mit denen die Kämpfer sich frei bewegen konnten.

In dieser Zeit war es Samer gelungen, Kontakt zu al-Qaida aufzunehmen und in den Irak zu reisen, wo er über einen Monat lang blieb. Er traf dort den höchsten Vertreter der Organisation, Abu Musab az-Zarqawi. Er führte mit ihm religiöse und organisatorische Gespräche und plante mit ihm, Syrien in fünf Gebiete aufzuteilen, für die jeweils ein Emir zuständig sein sollte. Vermutlich wurde auch beschlossen, Samer die Führung aller syrischen Dschihad-Basen anzutragen.

Eine gute Nachricht war das nicht gerade. Die Geständnisse des Verhafteten erschütterten mich und raubten mir fast den Verstand. Samer war in eine Sache verwickelt, die für mich unvorstellbar war. Er sollte sich also dazu verstiegen haben, eine Schlüsselrolle bei al-Qaida anzunehmen und Syrien als Emir zu führen! Die Geschichte überzeugte mich nicht. Weder dass er angeblich eine so herausragende Rolle spielte noch dass er mit az-Zarqawi, der treibenden Kraft der al-Qaida im Irak, Kontakt gehabt haben sollte. Wer kam denn an diesen Mann heran? Wenn es ihn überhaupt gab!

»Glauben Sie denn, dass az-Zarqawi noch lebt?«, fragte ich den Offizier. Ich erinnerte mich an amerikanische Berichte, denen zufolge er schon vor Jahren in den Bergen von Sulaimaniya im Nordirak getötet worden sei, als US-Kampfflugzeuge eine Basis der Ansar-al-Islam-Gruppe bombardiert hatten. Seitdem herrschten zumindest starke Zweifel daran, dass er noch lebte.

»Es gibt widerstreitende Informationen über sein Schicksal «, meinte der Offizier. »Wenn Ihr Sohn az-Zarqawi nicht getroffen hat, dann zumindest einen seiner Getreuen.«

Er wollte anscheinend nicht bestätigen, was die Iraker sagten, nämlich dass der Terrorfürst überlebt habe. Denn es gab außerdem Gerüchte, er sei verwundet und anschließend in Syrien behandelt worden. Danach sei er, ohne seine Heilung abzuwarten, wieder in den Irak gegangen. Er habe deshalb bis heute ein Fußleiden. Aber ich wollte gar keine Diskussion über diesen Mann führen, dessen Name allein schon Schrecken verbreitete und den man nicht umsonst den blutigen Emir nannte. Er war ein Vermummter, der entführten Kollaborateuren vor laufender Kamera die Köpfe abschlug nd die Aufnahmen davon veröffentlichen ließ.

Ich dachte über Samer nach. Er war doch viel zu unerfahren, um in so kurzer Zeit ein bedeutendes Mitglied einer Terrororganisation zu werden, die auf dem ganzen Erdball aktiv war. Jeder wusste, dass al-Qaida aus vielen einzelnen Zellen bestand. Es gab eine al-Qaida in Afghanistan, im Irak, in Saudi-Arabien und mehrere Ableger in Europa. Alle hatten sie einen Krieg gegen »Juden und Kreuzfahrer« ausgerufen und gelobt, allerorts amerikanische Interessen anzugreifen. Al-Qaida-Kämpfer wurden auf der ganzen Welt gejagt.

Ironisch sagte ich zu dem Offizier: »Erzählen Sie mir nicht, dass Samer weltweit gesucht wird!«

»Zumindest kann es sein, dass Ihr Sohn eine wichtige Rolle in der sogenannten al-Qaida für den Dschihad in Großsyrien spielt.«

»Mir scheint, Sie sprechen von jemand anders. Das ist nicht mein Sohn, auch wenn er genauso heißen sollte. Wer ist er denn, dass er mit al-Qaida Kontakt aufnimmt und heimlich in den Irak geht in der Hoffnung, eine hohe Stellung zu erhalten, die diese Organisation einem jungen Studenten nie zubilligen würde?«

»Väter denken immer, ihre Söhne seien noch Kinder, egal wie alt sie werden«, meinte der Offizier spitz.

Trotzdem, es blieb eine Unklarheit in seinen Ausführungen, und die betraf az-Zarqawi selbst. Ich persönlich glaubte, dass es ihn gar nicht gab. Und wenn viele ihn hochhielten, dann nur, um ihm die abscheulichsten Anschläge anzuhängen. Selbst die Amerikaner erweckten ihn nun wieder zum Leben und brachten ihn mit extremistischen Gruppen in aller Welt in Verbindung. Er habe mit arabischen Terroristen in Tschetschenien und Georgien zu tun, er leite eine Zelle in Großbritannien, eine weitere in Frankreich und noch jeweils eine in Spanien und Italien. Er plane überdies einen Angriff mit chemischen Waffen. Das alles hatte mich im Jahr zuvor dazu gebracht, zu schreiben, Amerika und Europa benötigten eine Figur, die den verhafteten Saddam Hussein ersetzt. Deshalb verbreiteten sie das Schreckensbild von Abu Musab az-Zarqawi, der Europa mit Massenvernichtungswaffen bedrohe. Zumindest glaubte ich nicht, dass dieser Mann hinkend von Land zu Land floh, um seiner Verhaftung zu entgehen, falls er noch lebte.

War dieser angebliche az-Zarqawi wirklich so auf Samer angewiesen, dass er ihn in den Irak hatte kommen lassen? er Offizier konnte eine solche Farce doch wohl kaum selbst lauben.

Wie dem auch sei, Samer war gegangen, um zu töten und etötet zu werden. Konnte es etwas Schlimmeres geben, als ass ein unerfahrener, wohlwollender und naiver junger ann sich als Freiwilliger zu einer solchen Aufgabe meldete? in junger Mann, den sein Glaube hartherzig hatte werden lassen, statt ihn barmherzig zu machen? Was für ein Glaube sollte das sein?

Auszug (Seite 74-78) aus: Fawwaz Haddad: Gottes blutiger Himmel. Übersetzt von Günther Orth
Mit freundlicher Genehmigung © Aufbau Verlag, Berlin 2013

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erstellt am 23.9.2013

Fawwaz Haddad, Foto: Larissa Bender

Siehe auch:
SCHWERPUNKT SYRIEN

Fawwaz Haddad
Gottes blutiger Himmel
Übersetzt von Günther Orth
Gebunden, 352 Seiten
ISBN: 978-3-351-03522-8
Aufbau Verlag, Berlin 2013

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