Ein starker Spross der literarischen Nachkriegsavantgarde ist die Konkrete Poesie. Sie beruht, wie alle konkreten Künste, auf dem Materialbegriff. In Österreich, der Schweiz, in Brasilien, Schweden und Deutschland entstanden etwa zeitgleich verschworene Künstlerzirkel, die an der Farbe, (in Frankreich) dem Klang oder der Schreibmaschine, dem Papier, dem Buchstaben und dem Wort arbeiteten. Der konkrete Poet der Deutschen ist Franz Mon. 1926 in Frankfurt am Main geboren, studierte er Germanistik, Geschichte und Philosophie in Frankfurt am Main und Freiburg im Breisgau, arbeitete als Verlagslektor, Herausgeber, Verleger und Hochschullehrer für Grafik und Design. Über die Analyse der Artikulation kam er gleichzeitig zur visuellen und zur Lautpoesie. Mit seinen Gedichten, Hörspielen, Collagen (zu entdecken im Faust-Kulturshop) und anderen grafischen Arbeiten ist Franz Mon ein international prominenter Künstler.
Jetzt hat er eine Reihe von Gedichten für Faust-Kultur eingelesen; und im Gespräch erklärt er, wie er vom Flakhelfer zum Mon wurde.

Text und Audio

Franz Mon liest

a n a n A s m a g m a :

                   a n a n A s m a g m a :

                 s a l a m A n d e r f a n a l :

               t r a f a l g A r f r a k t a l :

         b a n a n e n k A t a r a k t :

                 p a n a m A k a d a v e r :

                   a m a l g A m a k r o b a t :

         s a n d s a c k A r m a d a :

                   s a h a r A p l a n t a g e :

                   a b g a s k A t a f a l k :

                   h a v a n n A r a b a t z :

                   a l a s k A a t t a c k e :

                   h a r a k i r i A p p a r a t :

                   m a n d a l A s p a g a t :

                   p r o p a g a n d A k a k a d u :

                   s a t a n s A n a l p h a b e t :

                   r a d a r k A r a m b o l a g e :

                   b a l a l A i k a r a u c h :

                   r a b a t t k A r a w a n e :

       k r a w a t t e n t r A n s p l a n t a t :

(Fassung 30.12.2002)

weiß wie weiß

weiß wie weiß wie wer weiß wo
war wann wies war wie wenn wer war
zuerst zu einem anderen anders wie zuvor
gewesen weiß wie weiß wie wasser
weich und weißer als der schnee gewesen – wo wars wann wie wenn wer war zuerst
zuzweit zumeist von einem andern als
von selbst gewichen weiß von weißem wieder
wegen allem andern weißer als das weiß
im winter wäßrig weißlich leicht geschieden
wie wenn wer zuerst allein mit einem andern
anders als es alle sahn von weitem
weiß wie immergrün allein im schnee gelegen
leicht den leichten leicht von einem andern
als wer weiß wie wo geschieden
weich und weißer als das wasser wegen wessen
wars von weitem weiß auf weiß auf einem andern
als wie wenn es einer auf den andern schiebt

a-gedicht

mal
barg Noahs
arche
jahrelang
alle
animositaten :
     Cato
     kakadu
     kannapé
     lachsalve
     haarspalter
     simulator
     katzenauge
     Casanova
     platzpatrone
     sybarit

evapcici ; doch eines
nachts
barst
Noahs
arche
knall
auf fall mit
spatz und
katze,
axt und
abglanz,
sack und
sahne,
lack und
zack

(1./2.5.2006)

fallen

fallen
viele fallen.
viele fühlen : fallen.
viele fühlen fallende fallen.
viele fühlen wie sie fallen.
viele fühlen fallend die fallen.
viele fielen und füllten die fallen.
viele gefallene füllen die fallen.
vielen gefallen die vollen fallen.

(25.6.1974)

schau

schau, wie
scheerbarts
schädel
schroff übers
schlüsselwort
schnittblume
schrappt.
schier
schamlos
schwärmt er vom
scheibenwischer
schimanski, dessen
schlagbolzen ihm
schneidig den
schnabel
schloss. im
schock
schluckte er
schlankweg die
schmauchspur vom
schuss auf
schneewittchens schienbein.

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erstellt am 23.9.2013

Franz Mon, Foto: Andrea Pollmeier
Franz Mon, Foto: Andrea Pollmeier

einsilbige eingriffe

in die blanke asche fassen
in die bange asche fassen
in die klamme asche fassen
in die kahle asche fassen
in die schale asche fassen
in die fahle asche fassen
in die straffe asche fassen
in die schlaffe asche fassen
in die glatte asche fassen
in die dralle asche fassen
in die lange asche fassen
in die lahme asche fassen
in die zahme asche fassen
in die warme asche fassen
in die arme asche fassen
in die klare asche fassen
in die karge asche fassen
in die kranke asche fassen
in die schlanke asche fassen
in die sanfte asche fassen
in die ganze asche fassen
in die kalte asche fassen
in die alte asche fassen
in die falbe asche fassen
in die falsche asche fassen
in die rasche asche fassen
in die barsche asche fassen
in die krasse asche fassen
in die nasse asche fassen
in die nackte asche fassen
in die matte asche fassen
in die satte asche fassen
in die sachte asche fassen
in die platte asche fassen
in die starre asche fassen
in die sachte asche fassen
in die achte asche fassen
in die wache asche fassen
in die scharfe asche fassen
in die pralle asche fassen
in die halbe asche fassen
in die harte asche fassen
in die zarte asche fassen
in die schwarze asche fassen

(Binnen-u)

lukullische

putzgruppen

gurgeln im

luftsprung

pumuckls

blutsuppe

(26.2.02)

mississippi:

mississippi:
      imaginierte
      imitation des
      missinglinks.

mississippi:
      inspirierte
      infiltration
      sibiriens

mississippi:
      ineffiziente
      insinuation der
      nihilisten.

mississippi:
      infizierte
      inquisition der
      bikinis.

mississippi:
      illuminierte
      imitation der
      nitribitt.

mississippi:
      inkriminierte
      irritation der
      schickimickis.

(7.2.02 / 7.1.03)

bist du dir grün?

wunschlos sich grün wünschen
blicklos ins grün blicken
sprachlos von grün sprechen
heillos mit grün heilen
sorglos für grün sorgen
neidlos das grün neiden
fraglos nach grün fragen
klaglos um grün klagen
planlos das grün planen
schadlos dem grün schaden
zwanglos das grün zwängen
ruchlos nach grün riechen
zügellos grün zügeln
willenlos grün wollen
wahllos grün wählen
kopflos grün köpfen
arglos sich grün ärgern
endlos im grün enden

Alle Gedichte © Franz Mon

Audios © Bernd Leukert, Faust Kultur

Cover S. Fischer Verlag

Soeben erschienen:

Franz Mon
Herausgeber: Michael Lentz
Zuflucht bei Fliegen
Lesebuch
ISBN: 978-3-10-049020-9
S. Fischer Verlag, 2013
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