Stimmen aus Syrien

Im Syrien-Schwerpunkt von Faust-Kultur, der von Larissa Bender betreut wird, versuchen Autoren, die inmitten der Bürgerkriegsregion leben oder noch bis vor kurzem in Syrien wohnten, ihre Wahrnehmung des Geschehens zu beschreiben. Sie sind Zeugen traumatischer Vorgänge. Existenzielle Not hat ihre Worte und ihre Blicke geprägt. Sie bildet das Fundament der Texte, die inmitten von Gefahr und Verzweiflung – auch über die mangelnde Hilfe aus dem Ausland – geschrieben wurden.

Mit freundlicher Unterstützung der Friedrich Ebert Stiftung

Interview mit Sadik J. Al-Azm

Nicht-Handeln verschärft Konflikt in Syrien

Warum hatte die syrische Bevölkerung im Westen bisher keine Stimme? Welche Folgen hat diese pragmatische Realpolitik? Im Gespräch mit Andrea Pollmeier, das hier auszugsweise dokumentiert wird, erläutert der international hoch angesehene syrische Philosoph Sadik J. Al-Azm Hintergründe der Kriegssituation in Syrien. mehr

Aktueller Bericht aus Syrien

Wohnen im »sicheren« Viertel, in dem die Angst umgeht

»Ich wurde aller Rechte beraubt. Das einzige Recht, das mir geblieben ist, ist das Recht zu sterben«, schreibt Salma Salim. Sie lebt in der Innenstadt von Damaskus, die kaum direktem Beschuss ausgesetzt ist – ein Luxus, den nur wenige Menschen in Syrien genießen. Trotzdem ist das Leben dort das wahre Grauen. mehr

Aktueller bericht von Haitham Hussein

Revolution … Traum und Heimat

In der Syrischen Arabischen Republik, wie Syrien offiziell heißt, wurde die kurdische Identität untergraben. Kurdisch in der Öffentlichkeit zu sprechen, war zeitweise verboten. Der Schriftsteller Haitham Hussein beschreibt in seinem Essay, welche Hoffnungen er sich als Kurde zu Beginn der Revolution machte und warum er schließlich doch das Land verlassen musste. mehr

Gespräch über Kunst von Tammam Azzam

»Verzweiflung ist die einzige Wahrheit«

Der syrische Künstler Tammam Azzam verbindet europäische Kunsttraditionen mit der Katastrophe in seinem Heimatland. Als seine ersten Bilder auf Facebook die Runde machten, begeisterte er viele mit seiner ungewöhnlichen Kunst. Martina Sabra hat ihn Anfang 2014 anlässlich einer Ausstellung in Beirut getroffen. mehr

Exklusiv-Interview mit Rafik Schami

»Die Zeit der Versöhnung ist vorbei«

Vor 43 Jahren musste der Schriftsteller Rafik Schami Syrien verlassen. Früh hatte er gegen die Herrschaft Hafiz al-Assads Position bezogen. Im Faust-Gespräch mit Andrea Pollmeier beschreibt er seine noch in Syrien gemachten Erfahrungen aus der Entstehungszeit der Diktatur und erläutert innen- wie außenpolitische Hintergründe, die zur katastrophalen Entwicklung der Revolution beigetragen haben. mehr

Aktueller Bericht von Mamdoh Azzam

Sie schießen auf die Freiheit!

Obwohl die Demonstranten in der südsyrischen Provinz und gleichnamigen Stadt Suwaida für Freiheit und Würde auf die Straße gingen, obsiegte bei der Mehrheit der drusischen Bevölkerung die Angst vor der Ausbreitung eines radikalsunnitischen Islam. In seinem Essay schildert der Schriftsteller Mamdoh Azzam diese bedrückende Atmosphäre der Angst und die damit einhergehende Spaltung der Gesellschaft. mehr

Aktueller Bericht von Yassin Al Haj Saleh

Mein Weg ins Exil

Islamistische, mit AL-Kaida verbundene Gruppierungen wie der »Islamische Staat in Irak und Syrien« (ISIS) oder die »Nusra-Front« beherrschen immer größere Gebiete im Norden Syriens. Viele Aktivisten und Intellektuelle werden von ihnen entführt, etliche getötet. Andere haben Syrien verlassen. Einer von ihnen ist der international bekannte Journalist und Publizist Yassin Al Haj Saleh. Er berichtet über seinen beschwerlichen Weg ins Exil. mehr

aktueller originaltext von Khaled Khalifa

Jeder Blick ein Abschied

Viele syrische Intellektuelle haben das Land bereits verlassen. Khalid Khalifa ist einer, der geblieben ist – obwohl er als international bekannter Schriftsteller viele Möglichkeiten gehabt hätte, dem Horror zu entfliehen. Sein Rettungsanker ist das Schreiben. Aber, so fragt er sich, hat das Schreiben Sinn, wenn das Leben im Warten auf den Tod besteht? mehr

Aktueller Bericht von Fawwaz Haddad

Ein neuer Blick auf die glücklichen Demokratien

Freiheit und Gerechtigkeit, für die die Syrer auf die Straße gingen, scheint der Westen nur sich selbst zuzubilligen, schreibt Fawwaz Haddad in seinem Bericht. Die westlichen Staaten, die die syrische Revolution anfangs mit großen Worten unterstützten, haben das Land jedoch aus Angst vor den Dschihadisten im Stich gelassen. mehr

Aktueller Essay von Dima Wannous

Der Wandel in den sozialen Beziehungen der Syrer

Die Brutalität, mit der der Krieg in Syrien geführt wird, hat die Menschen überrascht. Die in Beirut lebende syrische Schriftstellerin Dima Wannous beschreibt in ihrem Essay die Spaltung der syrischen Gesellschaft und geht der Frage nach, wie die Syrer – Unterstützer und Gegner der Revolution, Opfer und Täter – in einer Post-Assad-Ära wieder gemeinsam in einem Land leben können. mehr

Aktueller Originaltext und Romanauszug

Leben mit dem Zufall

Wie verhalten sich Menschen unter permanenter Lebensbedrohung? Wie entwickeln sich zwischenmenschliche Beziehungen in einer Kriegssituation? Wie viel Zeit für Trauer hat der Mensch, wenn das Sterben alltäglich ist und man selbst nicht sicher ist, ob man noch lebt? An diese Fragen tastet sich der in Damaskus lebende syrische Schriftsteller Omar Kaddour heran, indem er ein Leben im Ausnahmezustand beschreibt. mehr

Aktueller Orginaltext

Lass mein Volk leben

Der syrische Lyriker und Maler Monzer Masri lebt in der syrischen Küstenstadt Latakia. Obwohl die Stadt bisher im Großen und Ganzen von den Kämpfen verschont blieb, können die Bewohner die Augen vor der Katastrophe im Land nicht verschließen. Monzer Masri beschreibt in einem eigenen, wie eine Ode klingenden Ton, welche Hoffnungen mit der Revolution für viele verbunden waren und welches Leid der Krieg für alle mit sich brachte und wie er die Gesellschaft veränderte. mehr

Gespräch mit Fawwaz Haddad und ein Romanauszug

»Wir müssen uns erinnern«

Ein Vater reist 2006 aus Syrien in den Irak, um seinen Sohn von der Al-Qaida zurückzuholen. Was der Vater in dieser Zeit erlebt, ist jedoch so grausam, dass er kurz vor seiner Rückkehr nach Syrien sein Gedächtnis verliert. In seinem Roman »Gottes blutiger Himmel« beschreibt der bekannte syrische Schriftsteller Fawwaz Haddad die Geschichte dieses Vaters und die Wiederkehr höllischer Erinnerungen. Larissa Bender hat den Autor in Hamburg getroffen und mit ihm über den Roman und die Situation in Syrien gesprochen. mehr

Samar Yazbek antwortet Eduard Erne

Schmerz und Schuld

Die syrische Autorin Samar Yazbek hat in ihrem Augenzeugenbericht über die Anfangsphase der syrischen Revolution diese Empfindungen mit eindrucksvoller sprachlicher Kraft nachvollziehbar gemacht. Inzwischen war Samar Yazbek gezwungen, Syrien zu verlassen und in Paris ins Exil zu gehen. Der Dokumentarfilmer Eduard Erne hat nach dieser Entscheidung mit der Autorin über ihr poltisches Engagement und die Hintergründe der Buchveröffentlichung gesprochen. mehr

erstellt am 01.1.2035

Foto: Abd Hakwati

Aleppo, Foto: Abd Hakwati

Zum Downloaden:
Syrien-Dossier als Flyer

aktueller originaltext von Khalil Sweilih

Innere Emigration und flüchtige Begegnungen

Wird Syrien bald zu einer erinnerten Vergangenheit – wie Dinosaurier oder Fossilien? Der Autor Khalil Sweilih beschreibt die Verlorenheit, die der Zurückbleibende mitten im schwersten Fluchtstrom der Zeitgeschichte fühlt. Seit März 2011 sind bereits 2,3 Millionen Syrer aus ihrer Heimat geflohen. Jeder von ihnen wird entwurzelt in der Fremde leben und Teil einer »syrischen Diaspora« sein. Wer in der Heimat bleibt, ist zwischen Wachposten wie in einem Ghetto eingesperrt. mehr

Aktueller Beitrag von Amer Matar

Eine Leiche legt Zeugnis ab

Am 14. August 2013 explodierte in Rakka eine Autobombe. In dieser Stadt im Nordosten Syriens hat vor Monaten eine Al-Kaida nahestehende Gruppierung die Herrschaft übernommen. Der Aktivist und Bürgerjournalist Muhammad Nur Matar wird seit dem Tag des Anschlags vermisst. Amer Matar, Journalist und Bruder des Vermissten, hielt sich zu jener Zeit in Rakka auf und beschreibt die bange Suche seiner Familie. mehr

Kurzgeschichte von Dima Wannous

Samîh

Der Taxifahrer Samîh liebt sein bunt ausstaffiertes Taxi über alles. Um sich die langen Wartezeiten in den vielen Staus zu vertreiben, versucht er, auf jede erdenkliche Art mit seinen Fahrgästen ins Gespräch zu kommen – und dies mitunter auf recht ungewöhnliche Art und Weise. mehr

porträt von Nihad Siris

Schreiben zwischen tödlichem Lärm und Grabesruhe

Am 21. Juni 2013 erhielt der syrische Autor Nihad Siris den Coburger Rückert-Preis. Dem deutschen Publikum ist er allerdings schon länger durch seinen mutigen Roman »Ali Hassans Intrige« bekannt. Darin beschreibt Siris einen beispiellosen Führerkult, der nur allzu sehr an den Kult um die syrische Diktatorenfamilie Assad erinnert. Susanne Schanda stellt den Schriftsteller und seinen Roman vor. mehr

Gespräch mit Rosa Yassin Hassan

Literatur ist kein Zeitvertreib

Die syrische Schriftstellerin Rosa Yassin Hassan hat von Beginn an die Ereignisse der syrischen Revolution dokumentiert und ihre Texte in arabischen Zeitungen und auf Websites veröffentlicht. Im Interview mit Larissa Bender erzählt sie über ihre Erfahrungen während der Revolution und erläutert, welche Aufgabe ihrer Meinung nach Schriftstellern und Intellektuellen zukommt. mehr

Romanauszug

Wächter der Lüfte

In ihrem Roman »Wächter der Lüfte« lässt Rosa Yassin Hassan den Leser aus unterschiedlichen Perspektiven am Schicksal von Menschen teilhaben, die aufgrund ihrer politischen Überzeugung oder wegen ihrer ethnischen oder religiösen Zugehörigkeit Unterdrückung und Verfolgung ausgesetzt sind. mehr

Reportage aus Syrien

Die Intensivstation

In dicht gesetzten Reihen drängen sich die Zuhörer, um Navid Kermanis Bericht aus beunruhigten Regionen der Welt zu hören. Als er seine Erlebnisse auf der Intensivstation eines syrischen Krankenhauses beschreibt, herrscht beklommene Stille. Video und Text – hier

Gespräch mit Eduard Erne über Samar Yazbek

Unter Lebensgefahr

Nach dem Erscheinen des Buches »Schrei nach Freiheit« von Samar Yazbek befragte der Dokumentarfilmer Eduard Erne die syrische Autorin nach den Hintergründen der Veröffentlichung und den Begleitumständen ihrer Entstehung. Für Faust-Kultur sprach er darüber mit Bernd Leukert. mehr

Buchkritik von Andrea Pollmeier

Samar Yazbek »Schrei nach Freiheit«

Vor allem in diesen persönlichen Passagen wird die literarische Kraft der Schriftstellerin erkennbar. »Poesie der Wunde« nennt Rafik Schami in seinem Vorwort ihre Art subtiler Selbstwahrnehmung. Diese poetische Energie, die von Larissa Bender mit entsprechend feinem Sprachgefühl übersetzt worden ist, gibt dem Buch seine nachhaltige, Zeit- und Ortsgrenzen aufhebende Wirkung. mehr