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In seiner Adaption von Chagalls Zeit in Russland spart der französische Zeichner Joann Sfar die großen Themen nicht aus. Es geht um Pogrome, Revolution und Bürgerkrieg und nicht zuletzt um Liebe und Kunst.

graphic novel

Was kann Kunst?

Chagalls russische Jahre, gezeichnet von Joann Sfar

Von Eugen El

In der allgemeinen Vorstellung gelten Künstler als Träumer. Man braucht nur an Marc Chagall zu denken, mit all seinen fliegenden Menschen und Ziegen, seiner auf den Kopf gestellten Welt. Bei ihm ist jedes Kunstwerk wie ein Tagtraum, bei dem man die Realität nicht mehr von der Einbildung zu unterscheiden vermag, eine Art sanfter Wahn.

Gewiss ist auch Joann Sfar ein Träumer. Der 1971 geborene französische Zeichner, der sich in seinen Comics immer wieder jüdischen Themen widmet, verfilmte zuletzt das Leben des Serge Gainsbourg. Sfars jüngstes Sujet ist der notorisch als Kitschmaler missverstandene Marc Chagall. Dabei muss man, um den Künstler Chagall schätzen zu können, sich vor allem seine russischen Jahre anschauen, von seiner kriegsbedingten Rückkehr aus Paris ins heimische Witebsk bis zur endgültigen Auswanderung aus der Sowjetunion nach Frankreich zu Beginn der zwanziger Jahre. „Chagall in Russland“, Sfars neuer, beim Berliner avant-verlag auf deutsch erschienener Comic, beleuchtet diesen Lebensabschnitt des berühmten Malers.

Sfar versammelt in seiner freien Adaption von Chagalls russischen Jahren ein buntes Personal. Es reicht vom verrückten Pseudo-Messias über brutale Kosaken bis hin zur typischen Bevölkerung des Schtetl, der damals jüdisch bevölkerten Kleinstädte am westlichen Rand Russlands. Hauptfiguren sind neben Chagall ein Schächter sowie eine junge Frau, in die sich die beiden jungen Männer verliebt haben. Darum entspinnt sich eine Handlung, die die großen Themen nicht meidet: die Pogrome, die Revolution, den Bürgerkrieg und, mitten in all dem: die Liebe und die Kunst. So endet der Band mit einer philosophischen Betrachtung über die Möglichkeiten der Kunst im beginnenden Zeitalter der Extreme. Das ist auch eins von Chagalls großen Themen.

Joann Sfars „Chagall in Russland“ ist kein Tatsachenbericht. Diese gezeichnete Groteske ist vielmehr eine leidenschaftliche Verbeugung vor dem großen Künstler Marc Chagall.

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erstellt am 20.8.2013

Joann Sfar
Chagall in Russland
Softcover, 128 Seiten, vierfarbig
ISBN: 978-3-939080-73-2
avant-verlag, Berlin 2012

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Abb. aus: Joann Sfar: Chagall in Russland, avant-verlag Berlin

Abb. aus: Joann Sfar: Chagall in Russland, avant-verlag Berlin