Zum Tod von J.J.Cale

Losing JJ Cale …

»Losing JJ Cale is losing an American musical treasure. Always under the radar, he has been, and will always be, a huge inspiration to me and the band.

Luckily, I had the pleasure of playing with him several times. He was always gracious and treated me like a friend.

Whenever I listen to music, it is nearly always one of his records. He had a gift for the sweetest groove, the sweetest guitar phrase, and the coolest lyrics – understated, but deep. “I'm not a homeless man – I'm a gypsy by trade and I'm traveling this land” is one of my favorites.

His guitar tone and touch were magical in their simplicity.

I will miss him terribly, but I cherish all the music he left for us.

Thanks, JJ, we love you.«

Mike Campbell, Tom Petty and The Heartbreakers über facebook

Wir erinnern an J.J. Cale mit einem kurzen Text von Hans Juckel, den er für die Zeitschrift »Büchner« geschrieben hat, macht er doch klar, wie wir diesen genialen Musiker vermissen werden.

Lao Tse sagt: »Mit J. J. Cale bin ich zufrieden«

Von Hans Juckel

I.

Man mag von den Rolling Stones halten, was man will, der Wahrheitsfindung dienen sie allemal. Das muss man sich dann etwa so vorstellen: Am Nebentisch sitzt ein Fan der zweiten Stunde – »Ich bin ja dreiundzwanzig Jahre jünger als Keith Richards« – mit seiner Verabredung – »Singt Tina Turner nicht auch was von den Stones?« – beim Bier. Der Abend läuft ganz und gar nicht nach Wunsch und in einem Akt der Verzweiflung (danach kann man dann wenigstens über was anderes schweigen) nimmt man halt noch einen Anlauf.

Er: »Der Riff von »Satisfaction« ist ja sowieso der Gitarrenriff überhaupt.«

(Sehr lange Pause.)

Sie: »Was ist ein Riff?«

Na also, fast schon ein Gespräch und auf jeden Fall ein Thema. Als erstes erklären wir folglich, was ein Riff ist – »Das gibt es auch bei Bläsern.« – dann legen wir eine gewisse Emphase auf die Satisfaction-Theorie und dann summeln-brummeln-prusten wir das Ganze auch noch vor. Man kennt das ja – Zähne zusammen, Lippen gespitzt und die Luft durch die Schneidezähne pressen – das akustische Pendant zur Luftgitarre. (Falls Sie das Folgende laut lesen möchten – das DAAA ist tiefer!)

Er: »DA DA DA DA DAAA
Sie haben es natürlich gemerkt: Das ist eindeutig nicht der Riff von »Satisfaction«, sondern der von J. J. Cales »Cocain«.

Sie: »Ist das nicht von Eric Clapton?«

Wenn es also stimmt, dass Lao Tse gemeint hat, der weise Mann handle, indem er nicht handelt, dann wäre er mit J. J. Cale an diesem Abend sehr zufrieden gewesen. Hat der doch in völliger Untätigkeit klargemacht, dass der Gitarrenriff überhaupt selbstverständlich von ihm ist. (Falls Lao Tse nichts derartiges gesagt hat, ändert das weder etwas an dieser Tatsache, noch an den folgenden.)

II.

J. J. Cale hat in dreißig Jahren nur um die zehn Alben herausgebracht. Falls man sich der ursprünglich bösartig gemeinten Theorie anschließt, dass es sich dabei in Wirklichkeit nur um ein einziges handelt (wenn man es nicht bösartig meint, wird er es als weises Lob auffassen), merkt man noch deutlicher, dass sich der Mann mit dem Nicht-Handeln auskennt. Gerade deshalb müsste man sein Œuvre eigentlich auf Krankenschein bekommen, wenn man seiner Seele wieder mal etwas Beruhigung gönnen möchte.

III.

Am wohltuendsten, weil sparsamsten ist sicher Okie, seine dritte LP aus den frühen siebziger Jahren: »Any­way the wind blows« kommt mit einer Harmonie aus. »Rock and Roll Records« hat einen Text, der sich so strikt an die simpelsten Fakten hält, dass man schon deshalb damit einverstanden sein muss: »I´m making Rock and Roll Records. I sell ´em for a dime …« »Crying« kommt daher, als hätte er zunächst alles weggelassen, was andere bestimmt gespielt hätten, und dann ein paar Noten in deren Freiräume getupft. »Starbound« ist überhaupt nur eine Art hingetupftes Schweben. Und am allerschönsten ist »The Old Man and Me«. Denn da geht es darum, dass ein alter Mann jeden Tag auf dem Fluss angelt, dass ein anderer Mann versucht, seine Sorgen am Fluss zu vergessen, und dass man sich bisweilen grüßt. Jedem anderen wäre das zu Kitsch zerronnen.

IV.

J. J. Cale geht natürlich auch nicht auf Tournee. Und wenn er doch auf Tournee geht, dann muss man sich halt schnell in den Flieger nach London setzen, wenn man für die näheren Konzerte keine Zeit hat. Dafür wird man mit einem Konzert belohnt, bei dem das Spannendste wie immer bei ihm die Momente sind, in denen etwas nicht geschieht:

Als zweite Nummer spielt er z.B »The Old Man and Me«, und weil er beim Text dermaßen hängt, begnügt er sich damit, zwei, drei Zeilen ein paarmal zu wiederholen. Man fragt sich, warum er auf der LP-Version überhaupt erst so geschwätzig war. Als Rausschmeißer kommt dann natürlich auch noch »Cocain«, und das Publikum, bis dahin in einem seltsamen Zauber gefangen, versucht sich im Mitklatschen – was auf der Stelle aufgegeben werden muss, weil es die Musik übertönt. Die dürre Gestalt (»a lolly-stick with a brillo-pad on top«) am Mikrofon nimmt es erfreut grinsend zu Kenntnis.

Am nächsten Tag überschlägt sich auch die Presse: »Nicht zu glauben, wie leise das war.«

Kommentare


Thomas Rode - ( 31-07-2013 04:57:01 )
1981 lies ich mich von vielen Platten J.J.Cs aufsaugen; ich war ein Schwamm. Sie bestanden alle nur aus einem Stück; ich glaub, über J.C. (Jean Cocteau) oder ähnlich moralinfreiem. Es wird nie wieder schneien. JJC hat die Weißheit mitgenommen. Trotzdem stehen die Karpfen träge im warmen Wasser, direkt unter der Oberfläche. An Riffs kann ich mich nicht erinnern, sie würden ja die Karpfen verletzen.

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erstellt am 30.7.2013

J J CALE After midnight 1971

JJ Cale, Cocaine