das halbe wort

Tabea Xenia Magyar

Vor kurzer Zeit hatte ich Max Czollek vorgestellt – ebenso wie er ist Tabea Xenia Magyar Mitglied des Berliner Lyrikkollektivs G13, mit welchem sie regelmäßig bei Performance-Lesungen im deutschsprachigen Raum auftritt (die nächste Lesetour findet im Oktober 2013 statt). Gerade haben G13 bei luxbooks eine Anthologie herausgegeben und zur Zeit arbeiten sie an einem Leseheft für den SuKuLTuR Verlag, welches noch 2013 erscheinen soll. Sehr geschäftig also, diese jungen Leute, die alle etwa Mitte Zwanzig sind. Sehr geschäftig, sage ich auch, weil sie sich alle zwei Wochen treffen und Texte besprechen, wie Tabeas Kollege Tristan Marquardt meinem faustkultur-Kollegen Malte Abraham in einem Interview erzählte. Die Treffen seien offen und bis zu zwanzig Leute anwesend. Bei Lesungen und Anthologien beschränken sie sich auf die vierzehn festen Mitglieder (so der Stand der Dinge). Dabei ist ihre Lyrik so verschieden voneinander, dass man keine Poetologie der G13 verfassen könnte. Die gegenseitigen Einflüsse jedoch sind selbstverständlich groß, denn man beschäftigt sich ständig mit den Texten der anderen. In der Szene macht dieses Lyrikkollektiv zunehmend von sich reden. Die Öffentlichkeit kennt sie noch nicht. NOCH! Das wird sich sicher bald ändern. Von diesen jungen Lyrikern geht eine derartige Sogkraft aus, sie versprühen bei Lesungen so viel Begeisterung, dass es nur eine Frage der Zeit sein kann. Dabei erscheinen mir Tabea Xenia Magyars Texte besonders spannend.

Jannis Plastargias

texte

Von Tabea Xenia Magyar

eine glühbirne reindrehen. trost erfinden.
wäre das quadrat narbenlos. oder barrierrefrei.
aber das quadrat ist vor allem auf repräsentation bedacht.
wie bewegt man sich in einem raum. darf man wände anfassen.
mit dem unteren rücken spüren, verlegen, betastet du
eine mögliche konversation. fühlst dich wie ein partyhut
unter fresken. ein gesicht betritt einen raum immer wieder.
wie würde das auf einer postkarte aussehen. ein quadrat.
ein tollpatschiger samba, versehen mit etwas rosaner farbe.
vor der tribüne ein gewitter. regen geht an und aus
wie neonlicht. passend zum schlingern das bedürfnis
ein angorahäschen aus dem hut zu ziehen. weisse zylinder
simulieren eine beziehung. in der dritten reihe
fehlt eine birne. das publikum lacht darüber,
wie sich jemand bemüht. sich nicht hinsetzten kann.
wer weisss, wie man dabei gut aussieht, kann vor allem
anlauf nehmen. die wand anfassen, als wäre sie ein kunstwerk.
endlich hinausgehen. sehen, wie der raum heller wird.

einer hat die maschine in gang gesetzt
der kennt keine gebrauchsanweisung
nimmt die beine in die hand und rennt
den flusen nach, den kleineren störfaktoren

überleg, der rennt und steht
starrt bilder in die luft
steckt die hände in den mund
sagt er will nie wieder schlucken

hör doch, der hat den mond angezeigt
verkauft giesskannen voll obst
fühlt, es misst jemand jedes stück luft
nach dem er schnappt

kontorsion. versuchst dich zu waschen, das wasser
schluckt dich, deine arme und schenkel
alle abgeschnitten, stehst du auf stümpfen
nass läuft dir ins haar, in die scham, wenn du
dich wegdrehst, was du da siehst. eimer und seife
rosa schlafrock am strand, wartet auf dich
weisst du nicht, was mit deinen wunden geschah
das wasser schwer, dass es zieht an der haut
spiegeln sich dinge, die ohne schal

fiepender ton
schwer wie ein schwein

die löcher offen
auf durchzug gestellt

in den löchern aber
verschwimmt diesmal alles

entpuppt sich der ton
als räudiger hund

und schleicht
schweigsam nach hause.

was bleibt dabei,
die causa nausia

weiterhin ohne schlaf
oder schuhe

i’ve got a pony, a pony i can’t hide

verzogen, gekittet. manchmal ist keiner mehr da
und doch ist da etwas. wenn wir uns schräg an-
sehen. unter der hand überhand nimmt.
generell geht es eher um die situation, als um –
nehmen wir uns beim ohr : weisst du noch,
dieser garten ? schwären lupinen, stillende blüten,
getrifte. son unblauer himmel, standsich.
wir neinten. summsich kummens. frakst
zack ! ein loch innin. kadn dann, rauf, nach wollprinzip
füllseln. gebärden sich aber unziemlichzähmbar
tschilpen die fransige mähne, dass zack !
noch so ein loch. so war das jetzt nicht gemeint, nein.
wollhaftiger trost ward zu trollsaftigem
ritschritscheratsch verschlumm ! jetzt
gilts ernst : knäuel dich.

Siehe auch:
DAS HALBE WORT

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erstellt am 25.7.2013

Tabea Xenia Magyar
Tabea Xenia Magyar

Tabea Xenia Magyar, geboren 1988 in Zürich, wo sie Philosophie, Romanistik und Politikwissenschaft studierte. Seit 2012 studiert sie im BA „Tanz, Kontext, Choreographie“ am Hochschulübergreifenden Zentrum für Tanz in Berlin. Publikationen in der Anthologie « 40% paradies. gedichte der lyrikgruppe G13 » (erschienen bei luxbooks), auf http://gdreizehn.com, www.brokentoujours.eu, in englischer Übersetzung in der Online-Zeitschrift No Man’s Land (#7), beim poetenladen und in der Zeitschrift Bella Triste (#36). 2013 Kooperation mit der Fotografin Charlotte Thiessen, Ausstellung im Festival 48-Stunden-Neukölln im Strahler (Raum für Fotografie, Berlin). Im August 2013 erscheint ihr Lyrik-Tape beim DIY Musik-Label Mouca in Berlin. 2012 war sie Autorin beim Projekt « Bewegungsschreiber » von Martina Hefter und Ingo Reulecke, das Dichtung und Tanz zusammenbringt. In dessen Rahmen schuf sie zusammen mit der Tänzerin Anna Nowicka das Stück „rost“.

40% Paradies. Gedichte des Lyrikkollektivs G13
Anthologie
Englisch Broschur, 154 Seiten
ISBN: 9783939557708
LUXBOOKS, Wiesbaden 2012

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