Olga Martynova

Olga Martynova, 1962 bei Krasnojarsk in Sibirien geboren, wuchs in Leningrad auf, studierte russische Sprache und Literatur; 1991 zog sie nach Deutschland. Sie lebt mit ihrem Mann Oleg Jurjew in Frankfurt am Main.

Sie schreibt Gedichte (auf russisch) und Essays und Prosa (auf deutsch): Brief an die Zypressen (Gedichte, 2001, dt. von Olga Martynowa und Elke Erb), Wer schenkt was wem (Essays, 2003), Rom liegt irgendwo in Russland (mit Jelena Schwarz. Gedichte, 2006) und In der Zugluft Europas (Gedichte, 2009). Mit ihrer Lyrik war Olga Martynova auf der Longlist für den Russischen Preis 2009, mit ihrem Roman-Debüt Sogar Papageien überleben uns kam sie auf die Longlist des Deutschen Buchpreises und auf die Shortlist des aspekte-Preises. Im Bonner Bernstein-Verlag erschien im November 2011: Zwischen den Tischen. Olga Martynova und Oleg Jurjew im essayistischen Dialog. 2013 erschien ihr Roman Mörikes Schlüsselbein.

2012 gewann Martynowa den Ingeborg-Bachmann-Preis.

Olga Martynova liest aus ihrem Roman „Sogar Papageien überleben uns“, Droschl Verlag, Graz.

Video: Harald Ortlieb im Auftrag der Robert Bosch Stiftung

Die Autoren Olga Martynova und Oleg Jurjew zum Thema »Finanzierung von Kreativität«. Video: Gilda Weller, Faust-Kultur

Verse von Rom

Wenn auch der etwas verspätete Herbst

sich aufblätterte wie Glimmer

und der sich arm stellende November die Kastanien in den Taschen versteckt,

brachten unbekannte Geister aber doch über Nacht

duftende römische Zapfen – von den freigebigen römischen Pinien.

Ermanne dich, Herbst, es ist kein Unglück,

daß den Rand deines zahnlosen Zahnfleischs

Zitronen-Raureif beizt,

daß du den dunklen Tag nicht lieben kannst und auch nicht nicht mehr lieben,

und du sagst: „Halt dich still, dummes Herz“,

und du den dunklen Tag nicht nennen magst mit seinem Namen,

daß der Park weint, schwarzgelb wie der Pirol.

Daß die Erde überladen, der Himmel leer ist

(in ihm säuert nur nieselig die Luft),

daß der schreckliche Marmor der römischen Kolonnaden

aus der Erde ragt, als wäre da

eine Kuh verscharrt mit dem Euter nach oben –

im Winter nach Rom zu kommen,

ist wie im Schweigen (Rauschen) des jungfräulichen Wassers das Herz zu ertränken,

wie die Sonne aus Schnee auszugraben.

Aus dem Russischen von Elke Erb und Olga Martynova

erstellt am 20.10.2010

Olga Martynova
Olga Martynova in New York