CD-Kritik

Salonmusik

Von Thomas Rothschild

Mit dem zeitlichen Abstand gewinnen die Künste an Respektabilität. Der verächtliche Spott der Zeitgenossen löst sich mit der Entfernung vom Ursprung auf. Im 19. Jahrhundert sprach man noch nicht von Unterhaltungsmusik, aber die Salonmusik erfüllte eine ähnliche Funktion: auf angenehme, nicht allzu anstrengende Art einem Publikum, das zusammen gekommen war, um sich zu amüsieren, einen akustischen Hintergrund zu liefern. In den Salons der „besseren Gesellschaft“ aufgeführt, durfte sie keinen zu großen Aufwand erfordern. Sie wurde für Klavier oder für kleine Ensembles geschrieben und überschritt nur selten die Länge eines Lieds oder eines Tanzes.

Der junge Violinist Thomas Albertus Irnberger, Jahrgang 1985, der schon einen umfangreichen Katalog an CDs aufzuweisen hat, und der 84-jährige Jörg Demus am Klavier widmen sich der französischen Variante der Salonmusik, bei vier Liedern kommt die Sängerin Christine Ornetsmüller hinzu. Diese Musik, zu einem großen Teil von literarischen Texten inspiriert und für die Duo-Besetzung bearbeitet, steht im Zeichen des Impressionismus sowie seiner Vorläufer und Zeitgenossen, die Komponisten heißen Claude Debussy, Maurice Ravel, Eugène Ysaÿe, Gabriel Fauré, César Franck, Henri Duparc, Cécile Chaminade (die einzige Frau im Programm), Jules Massenet, Ernest Chausson, Camille Saint-Saëns, Édouard Lalo und auch Frédéric Chopin. Dazwischen hat Jörg Demus zwei Vertonungen von Gedichten Paul Verlaines und Gérard de Nervals geschmuggelt, die ganz den Geist der französischen Komponisten des 19. und des frühen 20. Jahrhunderts atmen. Das bekannteste Stück auf der CD spielt Jörg Demus, leise und einfühlsam, als Solist: Debussys „Clair de lune“. Salonmusik und doch eine geniale Miniature.

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erstellt am 03.5.2013

Irnberger/ Demus/ Ornetsmüller
Salon de Paris
Gramola 98951

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