CD-Kritik

Der Erfinder von Diana

Von Thomas Rothschild

Paul Anka wird im Juli 72 Jahre alt. Dieser Tage ist er wieder auf Tournee. Paul Anka ist einer der weniger Teenager-Stars der fünfziger Jahre, die es geschafft haben, die wechselnden Trends und Moden zu überleben. Er war nie ein typischer Rock'n'Roller, sondern eher, mit zunehmendem Alter mehr und mehr, ein klassischer nordamerikanischer Entertainer. Auch stimmlich und gesangstechnisch hat er sich einem zeitlosen Stil angepasst, der in Las Vegas und unterwegs den Ton angibt.

Es war ja nicht in erster Linie seine Stimme, die dem Kanadier aus Ottawa seinerzeit zum enormen internationalen Erfolg verhalf. Die war eher dünn, ein wenig mädchenhaft, ohne Kraft und Ausdruck der zeitgenössischen Rock'n'Roller. Er kopierte Elvis Presleys Schluckauf-Technik, aber an den Meister kam er nicht heran. Es waren die Songs, mit denen er reüssierte. Er hat sie selbst geschrieben, und einige davon gehören zum Besten, was die Popmusik vor den Beatles und Elton John hervorgebracht hat. Es hat schon seinen Grund, dass einer der beliebtesten Songs im Repertoire von Frank Sinatra Paul Anka zugeschrieben wird: „My Way“. In Wahrheit handelt es sich um ein französisches Chanson, zu dem Anka lediglich den englischen Text hinzugefügt hat. Aber die Melodie könnte von ihm sein. Sie vereint die berechnende Schlichtheit und die sentimentale Zuckersüße in sich, die Ankas eigene Kompositionen kennzeichnen.

„Diana“, der Schlager, der Paul Anka schlagartig zu weltweitem Ruhm verhalf, stand 1957 neun Wochen lang auf Platz 1 der britischen Charts. Der Rhumba-Rhythmus, die eingängige Melodie, auch der Text verfehlten ihre Wirkung nicht. Ankas Texte zeichnen sich nicht durch besondere Intelligenz aus, sie überschreiten inhaltlich nicht das Niveau des üblichen Schlagers. Aber eins hat Paul Anka besser als viele Autoren begriffen: dass ein Schlagertext singbar sein muss. Rhythmisch wie in der Bevorzugung von langen Vokalen sind seine „Lyrics“ vorbildlich.

Es folgten einige unvergessliche Hits: „You Are My Destiny“, „Crazy Love“, „Lonely Boy“, „Put Your Head On My Shoulder“. Anka scheute nicht vor der Verwendung von Streichorchestern und üppigen Backgroundvocal-Arrangements zurück, er drückte auf die emotionale Tube, wie Hollywood es vorgemacht hatte. Er blieb lange Zeit der Begleiter feuchter Teenager-Träume. Aber er hat überlebt. Teenager ist er nicht mehr. Und singt und singt und singt… Wer, was er zur Zeit macht, nicht so sehr goutiert, findet jetzt auf einer CD 36 seiner frühen Songs, nicht weniger als knapp eineinhalb Stunden Musik vor.

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erstellt am 03.5.2013

PAUL ANKA

Dianacally Yours
Bear Family BCD 17247 AH
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