Der Kunstverein Friedberg zeigt noch bis 19. Mai eine Ausstellung des in Tel Aviv lebenden Street Art-Künstlers Klone. Unser Autor Eugen El hat sich in Friedberg umgeschaut und dabei überraschende Bezüge zum Künstler aufgedeckt.

Street Art

My Generation

Notizen zu Klone im Kunstverein Friedberg

Von Eugen El

Sind wir Teil einer Generation? Gibt es etwas, was uns verbindet? Unsere Eltern haben die zerfallende Sowjetunion verlassen, um uns eine bessere Zukunft zu ermöglichen. So wurden wir, ohne dass wir es uns aussuchen konnten, um den gesamten Erdball verstreut. Überall wo wir sind, versuchen wir, unseren Weg zu finden. Wir werden teilweise deutsch, israelisch, amerikanisch. Und doch vergessen wir nicht, woher wir kommen, welche Sprache unsere Eltern sprechen, wie sie uns geprägt haben.

So zum Beispiel Klone. 1983 im ukrainischen Charkow geboren, lebt der Künstler seit 1994 in Israel. Für eine Ausstellung im Kunstverein kam er Anfang April nach Friedberg. Dort sind noch bis 19. Mai Klones Arbeiten auf Papier zu sehen. Der 1976 gegründete, ehrenamtlich geleitete Kunstverein zeigt seine Ausstellungen auf einer Fläche von nur 100 Quadratmetern in der Mitte der in der Wetterau gelegenen Stadt. Möglich wurde diese Schau durch den persönlichen Kontakt, den der Kurator Christian Minke zum Künstler aufgebaut hat. Zusätzlich hat Klone zwei Wandarbeiten im öffentlichen Raum in Friedberg und Wetzlar angefertigt.

Klone thematisiert in seinen Arbeiten die Suche nach Menschenwürde in einer von Gewalt und Anonymität durchzogenen Welt. Dabei bewegen sich Klones Arbeiten weit weg vom Kitsch, den man mit seinem poetischen Ansatz verbinden könnte. Mehr noch, seine Arbeiten zeigen ein ausgeprägtes Bewusstsein für Spannung und Komposition. Tiere sind immer wieder Bestandteil von Klones Bildfindungen und nicht selten gehen sie eine Symbiose mit dem Menschen ein.

Eine beeindruckende Serie von elf Arbeiten entstand auf alten Zielscheiben, die schematisch die menschliche Figur nachbilden. Indem Klone sie übermalt, dreht er ihren Charakter um: wo der Mensch zur bloßen Übungsfläche für Schützen verkam, dort bekommt er sein Gesicht, seine Statur, sein Leben zurück. Dabei nutzt Klone geschickt die Grundstruktur der Zielscheiben. Mit ihrer zwischen verlaufender Tusche und Aquarell changierenden Ausführung erinnern die Blätter einerseits an die frühen Zeichnungen von Andy Warhol, aber auch spätere malerische Strömungen – man denke an Marlene Dumas – schimmern durch. Farblich sind sie auf wenige Blau- und Rottöne reduziert.

Eine weitere Serie besteht aus Collagen, deren Vorlagen aus Illustrierten der knallbunten 1980er und 90er Jahre stammen. Klone nimmt die dadaistisch bis surrealistische Tradition des Mediums Collage auf. So gibt es Blätter, die einen konsumkritischen Impetus erkennen lassen, es tauchen aber auch Mensch-Tier-Mischwesen auf, die in Goyas „Caprichos“ ihre entfernten Vorfahren haben könnten. Die auf schwarzem Papier ausgeführten Collagen zeugen wieder einmal von Klones Hang zur Geometrie und von seinem Sinn für Komposition.

Im letzten Raum der Ausstellung sind zwei der eindringlichsten Arbeiten zu sehen. Schwarz-weiße Collagen zeigen Szenen des Leids und der Trauer inmitten einer Atmosphäre der Gewalt. Hier scheint die Wucht der Ereignisse des scheinbar so weit entfernten 20. Jahrhunderts durch.

Klone ist ein Vertreter der Street Art. Er arbeitet im Schutz der Anonymität, womit er sich den Freiraum verschafft, seine Projekte im öffentlichen Raum verwirklichen zu können. Von dem Graffiti unterscheidet sich die Street Art insofern, dass sie an die Allgemeinheit adressiert ist und nicht nur an den eigenen engen Kreis. Einer der bekanntesten Protagonisten dieser Szene ist Banksy, der trotz seiner Anonymität beinahe schon im kulturellen Mainstream angekommen ist. Doch hebt sich Klones poetische Kunst wohltuend von Banksys plakativ-politischen Arbeiten ab.

Auch in Klones Wandarbeiten in Friedberg und Wetzlar ist seine künstlerische Handschrift erkennbar. Hier geht es ebenso um die gegenseitige Abhängigkeit von Tier und Mensch, wie um Rückbezüge auf künstlerische Avantgarden des frühen 20. Jahrhunderts, das Spiel mit wiederkehrenden Elementen und um die Affinität zur Geometrie. So zeigt das Wetzlarer Wandbild zwei gespiegelte Figuren, die ein Banner hochzuhalten scheinen. Der rote Hintergrund und die dynamische Komposition des Bildes lassen an Plakate des nachrevolutionären Russlands denken. Vielleicht ist es sogar so, dass man als in der Sowjetunion geborener Künstler gar nicht umhin kann, jenes Erbe zu verarbeiten, das man buchstäblich mit der Muttermilch aufgesogen hat.

Klone ist nicht zu fassen. Seine Kunst überrascht immer wieder und untergräbt die Erwartungen des Betrachters: die Erwartungen an einen Street Art-Künstler, an einen Israeli, einen Exoten. Und ja: zwar mag uns vieles mittlerweile trennen, wir mögen unterschiedliche Sprachen sprechen und unterschiedliche Pässe haben, doch arbeiten wir – ohne dass es uns bewusst ist – an ähnlichen Dingen, die uns wichtig sind. Und da ist es dann doch, dieses Gefühl, Teil einer Generation zu sein.

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erstellt am 24.4.2013

Foto: Eugen El
Ausstellung

Klone: Recollection of misunderstandings

Kuratiert von Christian Minke. Kunstverein Friedberg, noch bis 19.05.2013

Dienstag bis Sonntag, 15-18 Uhr – Eintritt kostenlos

Kunstverein Friedberg

KLONE

Foto: Eugen El

Fotos einer der in der Ausstellung gezeigten Serie