Die Frage ist, ob Staatsführung stets eine gewisse Menschenverachtung mit einschließen muss. Die Verachtung jedenfalls kommt zum Urheber zurück. Klaus Walter hat eine kleine Collage über eine enorme Frau komponiert: Am Tag, als Maggie Thatcher starb.

Kleine Collage

Am Tag als Margaret Thatcher starb

Von Klaus Walter

Als Lady Diana 1997 im Pariser Tunnel zu Tode kommt, widmet Elton John der Prinzessin sein „Candle in the wind“.  Als „Rose of England“ toppt der ursprünglich an Marylin Monroe adressierte Song monatelang die Charts. 2005 nimmt Elton John, inzwischen zum Sir geadelt, „Merry Christmas, Maggie Thatcher” auf, mit den feierlichen Worten „We all celebrate today, 'Cause it's one day closer to your death”. Morrissey beendet 1988 sein Album „Viva Hate“ mit „Margaret on the Guillotine“. „When will you die?“ fragt er schmachtend, am Ende saust das Fallbeil hinab. Nach dem natürlichen Tod der Baroness Thatcher meldete sich Morrissey erneut zu Wort: „Thatcher war keine starke oder großartige Anführerin. Die Leute waren ihr scheißegal, und diese Grobheit wurde als Tapferkeit beschönigt von der britischen Presse, die versucht die Geschichte umzuschreiben im Namen des Patriotismus.“ Auf den Straßen von Brixton, Glasgow und Liverpool wurde der Tod der Eisernen Lady gefeiert. Ein Tag später stehen zwei tote Frauen mit dem selben Song in den Download-Charts auf Spitzenplätzen: Judy Garland auf eins, Ella Fitzgerald auf vier. Der Song? „Ding-Dong! The Witch Is Dead“ aus dem „Zauberer von Oz“. Eine Facebook-Initiative hatte zum Kauf des Songs aufgerufen. „Ding-Dong, die Hexe ist tot“. Woher der Furor? Antworten von Jon Savage, Radio-DJ bei ByteFM (Savage Music) und Autor der Punk-Chronik „England´s Dreaming“ und von „Teenage – The Creation Of Youth“. Im Buch über die Erfindung der Jugend bezeichnet Savage die Massenhysterie um den „Zauberer von Oz“ von 1939 als „Gründungsdokument der Traumökonomie“, ein frühes Pop-Phänomen. 74 Jahre später feiern die Briten mit „Ding-Dong! The Witch Is Dead“ den Tod ihrer langjährigen Premierministerin. Was ist da los?

Jon Savage: Thatcher hat Außenseiter produziert, immer mehr Gruppen ausgegrenzt, das ist das Problem der Tories, sie sind exklusiv, sie schließen aus. Und wenn du immer mehr Leute ausgrenzt, dann werden die Ausgeschlossenen irgendwann zur Mehrheit und genau das ist in den späten Achtzigern passiert. Die konservative Regierung hat immer mehr Leute damönisiert, bis die irgendwann mehr waren als es konservative Wähler gab. Acid House und Rave war eine Bewegung für Freiheit, sie haben keine politische Sprache benutzt, aber sie waren implizit politisch, weil sie Räume außerhalb der Politik gesucht haben. Rave war eine unbewusste Reaktion auf den Zusammenbruch der Politik unter Thatcher. Regierungen wollen Kontrolle ausüben und Rave hat sich der Kontrolle entzog. Viele Acid House-Aktivisten waren 1990 bei den Poll Tax Riots gegen die Kopfsteuer beteiligt, das war der Anfang von Ende des Thatcher-Regimes.

K.W.: Ronald Reagan nannte Thatcher „Englands besten Mann“. Wäre einem Mann für die selbe Politik ebenso viel Hass entgegengeschlagen?

J.S.: Weil sie eine Frau war, musste sie das Machotum der Männer überbieten – she had to outmacho the men. Ich glaube nicht, dass der Hass misogyne Motive hat, sie wurde gehasst als die Frau, die sie nun mal war, als Schuldirektorin, als bossy Matrone. Und dieses Gerede von Feminismus, sie ist doch keine Feministin, sie hat nichts getan für Frauen.

K.W.: Aber hat das nicht misogyne Züge, wenn jetzt der Tod der witch gefeiert wird, oder der bitch?

J.S.: Ich sage sowas nicht. Ja, das ist misogyn. Aber wenn du es vergleichst, mit dem was Thatcher angerichtet hat, dann ist es eine Petitesse. Ich würde das ernster nehmen, wenn sie wirklich Feministin gewesen wäre. Eigentlich denke ich bei Mrs.Thatcher gar nicht an eine Frau, weil sie sich in einen Macho verwandeln musste, um zu tun, was sie getan hat. Ein Symptom ihrer Zeit, aber auch ihr eigenes.

Julie Burchill: Really tired of reading that Mrs Thatcher was 'like a man' because she was ambitious, stubborn and tough. On that basis, can we say that men are 'like women' if they are nurturing and co-operative? Sexist voodoo from a bunch of seat-sniffing sad-sacks.

Holly Golightly: Grrrr. I keep thinking about the most ridiculous article I read yesterday, heralding Thatcher as a feminist.
In fact, all this woman succeeded in doing was making it nigh on impossible for another woman to ever get the job again! 
She did nothing for the women's movement whatsoever. Her policies were distinctly against women (and Cameron continues where she left off) and the golden pathway to number 10 was paved for her, not by her. Paved for her by women who fought long and hard for equality, only to have her spit in their faces.
It is a shameful disgrace that a state funeral is to be paid for out of taxpayers pockets and I, for one, will be very happy not to be contributing even a penny to the cost.
Feminist my arse.

Message auf FB: Wer von Margaret Thatcher redet die Tage, das vergessen viele gerne, auch die „hochangesehene, ehrwürdige” F.A.Z., darf Clause 28 nicht vergessen! Dieses Gesetz war zutiefst menschenverachtend und des United Kingdom unwürdig!!

A song specifically written to attack Lady Thatcher, “Tramp The Dirt Down” by Elvis Costello, also rose to 79 on the iTunes chart. Respect MP George Galloway tweeted the title of the 1988 song, which includes the lyrics: “When they finally put you in the ground, they’ll stand there laughing and tramp the dirt down.”
Michael Holden: “But for anyone younger, and especially anyone younger and southern, the harshness of the establishment’s war on the twin evils of football and dance music came as something of a surprise. As Simon Reynolds described in Energy Flash, rave was Dionysian collectivist response to the “no society” rhetoric of the Tory's top, built, pushed and promoted by exactly the sort of entrepreneurs she so fetishized. Still, while tearing up the lanes of Chipping Norton was only made illegal with the Criminal Justice Bill under Thatcher's successor John Major.

Julie Burchill: “What I liked more than anything about Thatcher was what she brought out in other people; how she just had to stand there being herself and a whole host of characters who had previously passed for decent revealed themselves as sneering, silver-spoon snobs. And, looking back, maybe the miners and our first female prime minister had something in common all along… courage.”
Ken Loach “Let´s privatise her funeral. Put it out to competitive tender and accept the cheapest bid. It is what she would have wanted.”

Blow Mokeys: „She Was Only A Grocer's Daughter.”
März 1988: Joe Smooth's „Promised Land” sums up the feeling surrounding Shoom at this time, as people take ecstacy, dance, smile & hug each other. Concepts unheard of in such a stiff British culture. At a time when football violence was escalating, rival fans dance together in an ecstacy enduced euphoria thinking the world is going to change. – „…like angels from above, come down and spread their wings like doves…”

Margaret Thatcher: „No sanctions – Nelson mandela is a terrorist.“

Aus der Sendung WAS IST MUSIK?: www.byte.fm

Klaus Walter

erstellt am 16.4.2013