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Slowenische Nationaloper

Die Nachtigall von Gorensjski

Von Stefana Sabin

Mit etwa 250.000 Einwohnern gehört Ljubljana zu den kleinsten europäischen Hauptstädten – und zu den charmantesten: Pompöse Gebäude erinnern an die frühere Zugehörigkeit zur Donaumonarchie, städtische Plätze an die italienische Nachbarschaft, und da der Autoverkehr aus der ganzen Innenstadt geschickt ausgeschlossen wurde, ist die Stadt angenehm begehbar. Darüber hinaus gibt es ein vielfältiges (hauptstädtisches!) Kulturprogramm, das für alle Geschmäcker etwas bereit hält: ob die „Schuhaktion“ junger Künstler, die an den Versorgungskabeln Turn- und Sportschuhe hängen; die erste Retrospektive des slowenischen Künstlers Marko Šuštaršič (1927-1976) im Museum für Moderne Kunst oder die Ausstellung des slowenisch-amerikanischen Graphikers Miroslav Cukovic im Zentrum für Graphische Kunst; oder das Musikfestival, das im Opernhaus und in der Philharmonie in der zweiten Märzhälfte stattfindet.

Das Musikfestival 2013 wurde eingeläutet durch eine Neuinszenierung einer der populärsten slowenischen Opern: „Die Nachtigall von Gorenjski“ von Anton Foerster (1837–1926). Eigentlich als Operette geschaffen, wurde „Die Nachtigall von Gorenjski“ zuerst 1872 uraufgeführt, dann mehrmals überarbeitet und schließlich 1892 zur Oper umkomponiert, wobei auch das ursprüngliche Libretto von Luiza Pesjak durch den tschechischen Theaterdichter Emanuel Züngl ergänzt wurde. Unter demselben Titel wie die Operette wurde dann die Oper am 30. Oktober 1896 uraufgeführt.

Die Oper erzählt von Minka, der „Nachtigall von Gorenjski“, die von einem Großstadt-Impresario mit dem suggestiven Namen Chansonette just in dem Augenblick entdeckt wird, als ihr Geliebter ins Dorf zurückgekehrt ist. Mit dem Geld, das der Impresario verspricht, könnte Minka den Lebensunterhalt ihrer Familie sichern, aber wenn sie wegginge, würde sie ihr eigenes Liebesglück verspielen. So beschließen die Dorfbewohner, den Impresario aus dem Dorf zu vertreiben und bereiten die Hochzeit von Minka und Franjo.

Musikalisch ist die Herkunft der Oper in der Operette anzumerken: die Arien haben die melodische Leichtigkeit und den rhythmischen Schwung der Operettenlieder, die Handlung ist einfach, die Figuren sind überzeichnet. Die in der Oper angelegte Mischung aus Operettenhaftem und Folkloristischem hat der Regisseur Vito Taufer ausgenutzt und die Dorfgeschichte in eine karikaturistische Pop-Welt versetzt. Die Verspieltheit der Inszenierung gewann durch die Sänger an ironischer Kraft, denn sie alle agieren komödiantisch souverän und stimmlich bravourös. Ob „Die Nachtigall von Gorensjski“ auch im Westen entdeckt wird, bleibt abzuwarten.

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erstellt am 21.3.2013

Anton Foerster
Die Nachtigall von Gorensjski

Weitere Aufführungen:
Am 21., 22., 23., 25. Und 26. März, 11. Und 13. Mai 2013 jeweils um 19.30 Uhr.

SNT Oper und Ballett Ljubljana
1 Župančičeva St.
1000 Ljubljana
Slowenische Nationaloper