Popmusik

Ouzo mit Rum

Die griechische Band Locomondo auf Tour in Deutschland

„Den kanei krio stin Ellada, krio den ekane poté“ – es ist nicht kalt in Griechenland, es war niemals kalt, das ist eine Hymne der Lebenslust, für das Dennoch und Trotzdem der unter enormer Massenarbeitslosigkeit und steigenden Lebenshaltungskosten leidenden Bevölkerung Griechenlands. Sie wird von einer der bekanntesten Bands des Landes verkündet, die ab März in Deutschland auf eine kleine Tour geht.

Die Gruppe ist schon etwas Besonderes, nicht nur weil sie traditionelle griechische Musik mit jamaikanischem Reggae, Ska- und Dubrhythmen verbindet und damit eine eingängige, manchmal exotische Mixtur schafft. Der spanische Name, übersetzt „Verrückte Welt“, kündet von einem kosmopolitischen Ansatz. Das ist Weltmusik im wahrsten Sinne des Wortes, folglich wird auf Griechisch, Englisch, Spanisch und Deutsch gesungen. Man kooperiert mit internationalen Musikern wie Amparo Sanchez, Chumbawamba, Manu Chao, The Wailers und Skatalites.
Locomondo ist eine Band, fähig zur Empathie und geführt wie eine Kooperative: Im Zuge der schwierigen finanziellen Situation ihrer Landsleute haben die Musiker ihre Ticketpreise um ein Drittel reduziert, Gagen erhalten zu gleichen Teilen Bandmitglieder als auch die Mitarbeiter für Bühnenaufbau, Ton und Roadmanagement.

Vielen Kinobesuchern mag noch die Version des klassischen Liebeslieds „Frangosyriani” im Ohr sein, die Fatih Akin 2009 in seinem Kinofilm „Soul Kitchen“ für den Soundtrack verwendet hat. Das Rembetiko-Stück aus dem Jahre 1935 stammt von Markos Vamvakaris (1905-1972), dem Bouzouki-Pionier, oft gehört beim „Griechen nebenan“. Locomondo unterlegte es mit einem Reggaerhythmus und machte es zu einem Ohrwurm – und in Griechenland zu einem Sommerhit.

Der Leadsänger Markos Koumaris (*1974), der in der Presse zurecht als charismatisch beschrieben wird und mitreißend, aber sympathisch-bescheidenen auftritt, ist während eines Biologie-Studiums in Deutschland als Musiker durch die Welt gereist. 1999 schloss er an den Jazz & Rock Schulen Freiburg ein Musikstudium ab und arbeitete als Gitarrenlehrer an verschiedenen Schulen in Deutschland. So darf dann natürlich bei den Konzerten in Deutschland die Reggae-Version des Udo-Jürgens-Schlagers „Griechischer Wein“ nicht fehlen. Und dann singen sie alle im Publikum gemeinsam mit: die Schlagerfans und Schlagerhasser, die griechischstämmigen und die deutschen Fans. Die Band gibt jedenfalls allen Grund dazu, die griechische Sprache zu erlernen, damit man den Rest der Stücke so wie die auf den Konzerten in Deutschland stets anwesende griechische Gemeinde lauthals mitsingen kann.
Isa Bickmann

Kommentare

Kommentar eintragen









erstellt am 23.2.2013

Tourdaten:

21.03.13 München (DE), Theaterfabrik (Zenith)
07.04.13 Köln (DE), Club Bahnhof Ehrenfeld
09.04.13 Reutlingen (DE), franz.K
10.04.13 Bochum (DE), Bahnhof Langendreer

Karten

Stelios Vamvakaris spielt „Frangosyriani“, den berühmten Song des Vaters

Locomondo 2011