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Schreiben ist ein einsamer Prozess. Jugendliche, die die Freude des Schreibens für sich entdeckt haben, können ihre Begabung nur selten sichtbar machen. Auf Faust-Kultur ist jetzt ein Ort entstanden, an dem junge Autoren ihre Texte vorstellen und miteinander in Verbindung treten können. Hier werden zudem Initiativen sichtbar, die Jugendliche beim Prosa- und Gedichte-Schreiben begleiten. Das Literaturhaus Frankfurt ist ein solches Beispiel. Seit acht Jahren gibt es hier Schreibwerkstätten, die mit besonderen Neben- und Freiräumen ausgestattet sind.

Mina Hanim Pavicevis und Katharina Korbach am Abschlussabend. Foto:Hannes Windrath
M. H.Pavicevis und K.Korbach am Abschlussabend. Foto: Hannes Windrath
Prosa- und Lyrik-Werkstätten im Literaturhaus Frankfurt

Die anarchische Lust am Wort

Von Franziska Annabelle Lindner

Im Literaturhaus Frankfurt finden seit dem Umzug an die Schöne Aussicht im Jahr 2005 Schreibwerkstätten für Jugendliche statt. 2007 wurde die Form gefunden, die bis heute Bestand hat: das „Schreibzimmer“. Jedes Jahr im Sommer sammelt das Literaturhaus Textproben von jungen Autoren zwischen 14 und 18 Jahren. Bewerben können sich die Jugendlichen für das Prosa- oder Lyrik-Schreibzimmer. Beide Gruppen werden von Schriftstellern betreut, die das literarische Handwerk beherrschen und lehren wollen. Jeweils im Herbst kommen alle an mehreren Wochenenden im Literaturhaus zusammen. Die Werkstatt werkelt. Die besten Texte aus dem Schreibzimmer sind schließlich in einer aufwendig gestalteten Anthologie nachzulesen, die zur Abschlusslesung im Frühjahr fertig ist.

Vorbei ist nicht vorbei: sexyunderground

Wer das Schreibzimmer hinter sich hat schließt sich dem Jungautorenkollektiv „sexyunderground“ an. Dieser lose Verbund Ehemaliger aus den Werkstätten trifft sich monatlich im Literaturhaus, bespricht, liest, schreibt eigene Texte und präsentiert sie im Rahmen der jährlichen Sommerlesung. Und das Literaturhaus sorgt für den nötigen Input: stellt die Räume zur Verfügung, lädt Impulsgäste ein, organisiert Ausflüge. Einige etablierte Autoren waren zu Gast, auch Lektoren, ein Literaturkritiker, ein Literaturagent sowie ein Schauspieler, der Sprechtraining gab. Außerdem führte 2011 eine Exkursion zum Wiesbadener Verlag luxbooks und 2012 eine Reise zum Open Mike 2012 nach Berlin, wo mit Juan Guse und Martin Piekar gleich zwei Schreibzimmer-Ehemalige diesen wichtigen Nachwuchspreis gewannen. Überhaupt Erfolge: viele Preise haben die Absolventen gewonnen, manch einer studiert mittlerweile das Autorenhandwerk in Hildesheim (Kreatives Schreiben und Kulturjournalismus) oder am Deutschen Literaturinstitut in Leipzig.

Warum Schreibwerkstätten?

Das Literaturhaus fördert Autoren, die am Anfang stehen, und verhilft bei der Professionalisierung, wo es ein Herzensanliegen ist. Das Literaturhaus unterstützt ebenso Jugendliche, die vielleicht langfristig andere Ziele haben, die aber trotzdem mit Begeisterung Gedichte oder Geschichten schreiben und im Literaturhaus die Möglichkeit haben, auf Gleichgesinnte zu treffen. Im Schreibzimmer lernt man literarische Techniken zu verstehen und anzuwenden. Schreibzimmer heißt aber auch: die Freiheit im Schreiben entdecken, Begrenzungen erfahren, Spielfreude und Lust am Wort wecken oder bewahren. Und schließlich Gemeinsamkeit erleben. Denn wichtig ist der Austausch, wichtig ist manchmal schon die Tatsache, nicht alleine dazustehen mit dieser Leidenschaft für das selbst geschriebene Wort.

Das Schreibzimmer 2012

Auch wenn sich der Ablauf gleicht, ist das Schreibzimmer jedes Jahr anders. Das liegt genauso an den wechselnden Leitern des Schreibzimmers wie an den sehr jungen Autoren, die am Schreibzimmer teilnehmen und mit ihren Persönlichkeiten die Arbeit und Atmosphäre der Workshops beeinflussen.

Das Schreibzimmer 2012 war ein sehr gut gelauntes Schreibzimmer. Erstmals haben Schriftsteller die Werkstätten betreut, die auch explizit für Jugendliche schreiben: der Lyriker Arne Rautenberg und die Autorin Antje Wagner. Wieder einmal war alles anders. Auf einmal ging an den Werkstattwochenenden in der Prosa nichts ohne Laptops. Die Lyriker besuchten die Kunsthalle Schirn. Und schließlich wollte gar niemand mehr das Literaturhaus verlassen – selbst die Mittagspause beim Italiener um die Ecke wurde der Schreibzeit wegen eingespart; stattdessen kam der Pizzamann. Die Lyriker haben der Freiheit der Poesie gefrönt und fast anarchisch anmutend mit Worten, Lauten und Formen gespielt. Im Prosa-Schreibzimmer von Antje Wagner wurde ebenso hart wie still gearbeitet. Hier war das Aufgabengerüst vorgegeben, jede Autorin hat nach ähnlicher Grundstruktur an ihrer eigenen Geschichte gearbeitet. Spannend ist da zu beobachten, wie unterschiedlich jede Einzelne mit den Vorgaben umgegangen ist. Was im Lyrik- und Prosa-Schreibzimmer herauskommen kann, lässt sich anhand der nachfolgend vorgestellten beiden Geschichten und den Gedichten von zwei Lyrikerinnen auf Faust-Kultur nachlesen.

Franziska Annabelle Lindner ist Projektleiterin von Junges Literaturhaus Frankfurt

Schreibzimmer 2012

Katharina Korbach

Still wirkt sie als Mensch, manchmal fast unsichtbar. Ihre Stimme ist dafür umso spürbarer.
Ein Klang – so kam der erste Text von Katharina Korbach auf mich zu. Wie etwas, das eigentlich nicht gesprochen, sondern gespielt werden sollte. Wo Worte nicht offenlegten, sondern abdeckten und dem Wesentlichen Schutz gaben. Es war lyrische Prosa, und sie nahm mich sofort mit.

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SCHREIBZIMMER 2012

Svenja Litzinger

Die Texte der Autorin sind mir aufgefallen, weil sie so selbstverständlich lebendig waren. Diese Stimme schien mir irgendwie dicht dran. Keine Gedankenprosa. Bei Svenja Litzinger wird viel geredet, gestritten, gepöbelt.

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SchreibZIMMER 2012

Beke Rienitz

Viel Du ist in den Gedichten von Beke Rienitz – und es liegt an den Leserinnen und Lesern, ob sie sich vom lyrischen Du angesprochen fühlen wollen oder nicht. Wer allerdings anfängt, sich auf die Rollengedichte einzulassen, der verstrickt sich rasch in Momente alltäglicher Verwunderung: In welchen Momenten kippt das Leben – und kippt es gerade nach oben oder unten?

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SCHREIBZIMMER 2012

Büsra Karasungur

Da ist Druck, da ist Kraft, das ist jede Menge Leben. Und da ist die Balance von Härte und Verletzlichkeit, die aus den Gedichten von Büsra Karasungur spricht; dieser Funke sprang bei mir sofort über. Der erschütterbare Kern zwischen den Zeilen. Die 17-Jährige scheint unsanfter gelebt zu haben als viele ihrer Altersgenossen. Das mag auch an der kulturellen Reibung liegen.

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Nachwuchsautoren – siehe auch:

DAS HALBE WORT

DhW: Viviana Iparraguirre De las Casas

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erstellt am 22.2.2013

Antje Wagner, Foto: Hannes Windrath
Antje Wagner, Foto: Hannes Windrath
Arne Rautenberg, Foto: Hannes Windrath
Arne Rautenberg, Foto: Hannes Windrath

Die Schreibzimmer-Werkstätten werden jährlich wechselnd von zwei Autoren betreut. 2012 war Antje Wagner für die Prosa und Arne Rautenberg für die Lyrik verantwortlich. Beide Werkstattleiter haben eigene Texte publiziert und Jugendlichen “vom Glück, schreiben zu dürfen” (Rautenberg) weitergegeben. Arne Rautenberg wurde 1967 in Kiel geboren und lebt dort als freier Schriftsteller, Künstler und Kulturjournalist. Antje Wagner wurde 1974 in Wittenberg geboren und lebt heute als freie Autorin in Potsdam.

Foto: Hannes Windrath
Christian Engel im Sprechtraining mit Jochen Nix; Foto: F. A. Lindner

Die Teilnehmer der Schreibwerkstätten erhalten Einblick in viele mit dem Schreiben verbundene Bereiche. So lernte sexyunderground-Teilnehmer Christian Engel zusammen mit dem Regisseur und Profi-Sprecher Jochen Nix am 15.04.2011 im Literaturhaus die Kunst, den eigenen Text zu lesen. Schreibförderung ist auf diese Weise Teil eines vielschichtigen Konzepts, das engagierte Jugendliche über Jahre begleitet.

sexyunderground, Foto: F. A. Lindner
sexyunderground, Foto: F. A. Lindner

Treffpunkt bleibt für die Jugendlichen das Literaturhaus. Im Anschluss an das Schreibzimmer-Projekt unterstützte 2011 der Autor Matthias Göritz mit seinem Rat die sexyunderground-Runde. Im Matthias-Beltz-Raum werden in regelmäßigen Treffen Fortschritte und Hürden des eigenen Schreibens diskutiert.

Julia Gann und Büsra Karasungur am Abschlussabend des Schreibzimmer 2012 im Literaturhaus Frankfurt; Foto: Hannes Windrath
Julia Gann und Büsra Karasungur tragen am Abschlussabend des „Schreibzimmer 2012" im Literaturhaus ihre Gedichte vor. Foto: Hannes Windrath
Buchcover

Das Buch ist im Literaturhaus Frankfurt erhältlich.