Opernkritik

Mackie Messer als Malandro

Eine brasilianische Bettleroper in Neukölln

Von Thomas Rothschild

Der portugiesische Titel Ópera do Malandro bedeutet, wörtlich übersetzt, „Gauneroper“. Dahinter verbirgt sich Brechts Dreigroschenoper, die ihrerseits bekanntlich auf John Gays Beggar's Opera beruht. Der Stoff von Brechts bekanntestem Werk ist ja aktueller denn je. Das hat man auch in Brasilien erkannt, und so hat ihn denn Chico Buarque bereits 1978 auf die heimischen Verhältnisse übertragen. Was dabei herausgekommen ist, hat mit der Oper im traditionellen Sinn ebenso wenig zu tun wie Brechts Vorlage. An die Stelle der einprägsamen Melodien von Kurt Weill sind jedoch brasilianische Rhythmen, allen voran der Samba getreten. Geblieben ist nur noch die Moritat – zu einem neuen Text.

Nun wurde die deutsche Fassung der „Brasilianischen Bettleroper“ in Berlin erstaufgeführt – nicht in einem der drei großen Opernhäuser, versteht sich, sondern in der versteckten Neuköllner Oper, die immer wieder für Überraschungen gut ist. Was da zu sehen und hören ist, lässt sich zwischen Revue und Trash lokalisieren, vorgetragen mit mehr Spielfreude als professioneller Routine. Auch gesanglich lässt es eher an die Estrade als an die Oper denken. Aber es wird, nicht nur von der Besetzung her, der verbreiteten Forderung nach einem multiethnischen Theater gerecht. Gesprochen und gesungen wird teils deutsch, teils portugiesisch. Übertitel helfen aus.

Ein Orchester wird nicht benötigt. Stattdessen spielt eine fünfköpfige Band im Hintergrund der schmalen Bühne. Man erkennt einzelne Bausteine der Dreigroschenoper wieder, wie etwa das Eifersuchtsduett oder das Lied von der Seeräuberjenny. Die freilich heißt hier Geni, ist ein Transvestit und wird nicht von einem Schiff mit acht Segeln abgeholt, sondern rettet die Stadt, indem sie sich dem Kommandanten eines Zeppelins hingibt. Als Dank wird sie nur getreten und bespuckt.

Am Berliner Ensemble läuft immer noch, stets ausverkauft, Die Dreigroschenoper. Die Ópera do Malandro in Neukölln, zwischen Döner-Restaurants und Kramläden ist eine gute Ergänzung.

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erstellt am 11.2.2013

Ópera do Malandro

Die „brasilianische Bettleroper” von Chico Buarque in deutscher Fassung
von Lilli-Hannah Hoepner, Luciana Rangel und Bernhard Glocksin.
Musikal. Arrangement: Guilherme Castro

Inszenierung: Lilli-Hannah Hoepner
Musikalische Leitung: Guilherme Castro
Ausstattung: Gilvan Coêlho de Oliveira
Choreographie: Ronni Maciel
Dramaturgie: Bernhard Glocksin

Deutsche Erstaufführung:
am 31. Januar 2013, 20 Uhr

Weitere Aufführungen:
Neuköllner Oper